Pfingsten

von P. Marc Brüllingen


Pfingsten ist das Fest des Hl. Geistes. Christus selbst kündigt mehrere Male den Hl. Geist als Tröster, als Geist der Wahrheit an, der uns an die Wahrheit erinnern soll, an das Heilsereignis der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu Christi und somit an unsere eigene Erlösung.

Das Kommen des Hl. Geistes an Pfingsten bedeutet für unser Leben, daß der Hl. Geist nicht in einem Tempel aus Stein, sondern in lebendigen, liebenden Herzen wohnt. Diese innere Gegenwart Gottes wird uns gegeben als Lebenskeim und Lebenskraft, mächtiger und göttlicher als seine Gegenwart im Tempel von Jerusalem.

Der Hl. Geist ist aber auch Kraft und Beistand für die Gläubigen, um den täglichen Kampf gegen das Böse zu bestehen. Die Aufgabe des Hl. Geistes wird im Johannesevangelium als eine dreifache geschildert. Es vollzieht sich gewissermaßen ein Prozeß vor Gericht. Der Hl. Geist führt diesen Prozeß zu einem sieghaften Ende.

Der Hl. Geist überführt die Welt, daß es eine Sünde gibt.

Das zeigt sich vor allem darin, daß die Verurteilung und Kreuzigung Jesu als Sünde sichtbar gemacht wird durch die Auferstehung und das Weiterleben des Herrn. Denn immer wieder wird es sich zeigen, daß der Unglaube zu Unmoral führt und die Unmoral letztlich das menschliche Leben zerstört oder unmöglich macht.

Das Einzelleben bis zum Selbstmord oder auf alle Fälle zur innerlichen Unzufriedenheit. Das Familienleben zum Zerfall und zur Unfruchtbarkeit, das Völkerleben zu Katastrophen, Revolutionen und Kriegen.

Das Geistesleben zu Materialismus, Individualismus, Selbstüberhebung, zu bloßer Zivilisation anstelle der Kultur usw. Wer sich dem Wirken des Hl. Geistes öffnet, hat den Blick dafür und beobachtet diese ständige Überführung, diesen Nachweis der Sündhaftigkeit und der Schuld.

Der Hl. Geist zeigt auch, daß es eine Gerechtigkeit gibt.

Wieder zuerst bei Christus. Er ist zu Unrecht verurteilt und getötet worden, aber der Vater hat ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen durch die Auferweckung und die Herrlichkeit. Damit wissen die Jünger und auch wir, daß das Recht doch letztlich siegt. Auch das wird weitergehen durch den Lauf der Kirchengeschichte. Das Unrecht wird für den Augenblick immer oder wenigstens häufig groß dastehen. Es hat die Macht auf seiner Seite, den Erfolg, die Anhängerschaft fühlt sich erhaben über alle moralischen Forderungen, behauptet richtig und gerecht zu handeln.

Aber der Hl. Geist zeigt immer wieder im Ablauf der Ereignisse, daß das Unrecht auf die Dauer unterliegt und immer wieder Trümmer und Ruinen zurückläßt. Und selbst, wenn die Weltgeschichte nicht das Weltgericht ist, so weiß der Gläubige durch den Hl. Geist, daß am Ende der Zeiten die Gerechtigkeit ihren Triumph feiern wird und daß aller Welt sichtbar gemacht wird, auf welcher Seite das Recht gestanden hat.

Endlich zeigt der Hl. Geist, daß es ein Gericht gibt.

Wieder zeigt es sich zuerst bei Christus. Denn das Volk, das den Herrn verworfen hat, wird selbst verworfen, sein Tempel wird zerstört, das Volk zersprengt. Es hat sich das Gericht selbst zugezogen.

Aber auch hier geht es weiter durch den Lauf der Geschichte. Es gibt ein Gericht, weil der Einzelmensch im Innersten immer wieder vor dem Gericht seines Gewissens und damit vor Gott steht.

Ein Gericht auch in dem Sinn, daß die Menschheit auf die Dauer sieht, wohin die Sünde führt, und dann doch schließlich ein richtendes Wort über die Scheingröße der Zerstörung spricht. Und auch hier ist das Wirken des Hl. Geistes letztlich Hinweis auf das Endgericht am Ende der Tage. Dann macht der Geist Gottes allen sichtbar, wo Sünde und Unrecht war.

Darum schreitet der gläubige Mensch ruhig durch allen Haß, alle Bosheit, alle Sündhaftigkeit und alle Triumphe des Bösen hindurch. Er hat durch das Licht des Hl. Geistes, durch das Wort des Glaubens, durch die Offenbarung Gottes ein sicheres Urteil und läßt sich nicht von der Meinung der Masse beeindrucken und bestimmen. Etwas Geradliniges, Ruhiges, Unbestechliches und Sicheres ist damit für die Haltung des Christen gegeben.

(nach:  Richard Gutzwiller, Meditationen über Johannes, Benziger Verlag Einsiedeln Zürich Köln, 1958)

Vorwort zum Mai-Rundbrief

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

am Freitag nach dem Weißen Sonntag 2018 durften wir im Dom zu Altenberg auf 10 Jahre Feier der Heiligen Messe in der „außerordentlichen Form des Römischen Ritus“ zurückblicken. Einmal wöchentlich, freitags, auf Initiative von Gläubigen und der Zustimmung des amtierenden Pfarrers, haben wir von Köln aus dieses Apostolat übernommen.

Der Dom zu Altenberg, dieses bedeutende Bauwerk, ist im Stil der Gotik erbaut. Ursprünglich war er „die Kirche der mächtigen Zisterzienser – Abtei Altenberg, jener bedeutungsvollen Pflanzstätte christlicher und rheinischer Kultur, die auch ihren großen Beitrag leistete zur Christianisierung des Ostens. Wir verdanken die Stiftung der Abtei den Grafen von Berg“, so Eugen Heinen in dem Büchlein „Dom und Kloster Altenberg“, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf (auch im folgenden weitere Zitate daraus).

Die Domkirche wurde, nachdem der durch verschiedene Ursachen mehrfach beschädigte Vorgängerbau im Stil der Romanik abgetragen worden war, „am 23. Juni 1379 im Auftrag des Bischofs Friederich und im Beisein des Grafen Wilhelm II. von Berg und vieler edler Herren, zur Ehre Gottes, der hl. Jungfrau Maria, der Bekenner Benedikt und Bernhard und des Gefolges der hl. Ursula [eingeweiht.] Mit dem Dom wuchs auch die Bedeutung der Abtei, die immer mehr zum geistigen Mittelpunkt des Landes wurde.“

Im Monat Mai stehend werfen wir noch einen Blick auf die „Altenberger Madonna“. „Die Himmelsfahrende hängt von goldenen Strahlen umgeben in dem großen Bogen der Choröffnung des Altenberger Domes. Als sie der Abt Boelgen (1524 – 1536) im Jahr 1530 von einem Holzbildhauer, der wahrscheinlich ein Flame war, schneiden ließ, ordnete er an, daß im Gedenken an die sieben Schmerzen der Gottesmutter an jedem Abend zum Salve Regina sieben Kerzen an ihrem Bilde brennen sollten, so daß die Lichtopfer, die auch heute noch von der Jugend hier entzündet werden (Altenberger Licht), eine würdige Fortsetzung dieses frommen Brauches sind. . . . . Als Himmelfahrende ist sie die Patronin des Altenberger Doms. Der Meister, der sie schnitzte, fand es unschön, daß die Prozession, welche durch den Chorumgang zog, die Rückseite der Madonna erblicken würde und fertigte deshalb zwei Figuren an, die er mit dem Rücken gegeneinanderstellte. Der Rosenkranz, der das Bild umrahmt, ist aus neuerer Zeit.“

So danken wir auch der Gottesmutter, daß wir jede Woche ihrem göttlichen Sohn mit Lobpreis, Opfer und Dank in dieser herrlichen Kirche huldigen dürfen.

Herzlich sind Sie eingeladen: Jeden Freitag 17.00 Uhr Aussetzung des Allerheiligsten, Rosenkrangebet, sakramentaler Segen und zur heiligen Messe um 18.00 Uhr.

Mit Segensgruß, Ihr

Pater A. Fuisting


Datei – Rundbrief Mai 2018