Vorwort zum Juni-Rundbrief

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

die Sonntage nach dem Pfingstfest, beginnen mit dem Dreifaltigkeitsfest. Am ersten Sonntag im Juni, (03.06), wird dann der Zweite Sonntag nach Pfingsten gehalten. In den Sonntagen nach Pfingsten gilt es, die Erinnerung an Christi Auferstehung und die Ausgießung des Heiligen Geistes in uns wachzuhalten. Jeder Sonntag soll darum ein kleiner Ostertag sein, ein Gedenktag an unsere Taufe und Firmung, eine Mahnung, die Taufgnaden zu festigen, besonders durch die Feier des heiligen Meßopfers und durch die Sakramente, denn nur in der Kraft des Heiligen Geistes werden wir die Anfechtungen und  Erdennöte überwinden.

Vom 17. So. n. Pfingsten an richtet die Liturgie den Blick auf den kommenden Herrn. Die Kirche spricht vom Ende der Zeit, von der Trübsal jener Tage, vom Endkampf, den wir zu bestehen haben und auf den wir uns im Glauben rüsten müssen. Bis dahin sollen wir das Vermächtnis des Herrn erfüllen und in der Meßfeier den Tod des Herrn verkünden, bis er wiederkommt. In der Gegenwart des Heilswerkes Christi, eben bei der Hl. Messe, schauen wir aus und stärken uns auf das Kommen des Herrn. So ist denn das Jahr Christi, das liturgische Kirchenjahr, wie Pius XII. in „Mediator Dei“ schreibt „von der Frömmigkeit der Kirche genährt und begleitet, nicht eine kalte, leblose Darstellung längst vergangener Dinge oder eine bloße Erinnerung an Ereignisse aus einer früheren Zeit. Es ist vielmehr Christus selbst, der in seiner Kirche weiterlebt“ (Nr163).

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Pater Fuisting


Datei – Rundbrief Juni 2018


Pfingsten

von P. Marc Brüllingen


Pfingsten ist das Fest des Hl. Geistes. Christus selbst kündigt mehrere Male den Hl. Geist als Tröster, als Geist der Wahrheit an, der uns an die Wahrheit erinnern soll, an das Heilsereignis der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu Christi und somit an unsere eigene Erlösung.

Das Kommen des Hl. Geistes an Pfingsten bedeutet für unser Leben, daß der Hl. Geist nicht in einem Tempel aus Stein, sondern in lebendigen, liebenden Herzen wohnt. Diese innere Gegenwart Gottes wird uns gegeben als Lebenskeim und Lebenskraft, mächtiger und göttlicher als seine Gegenwart im Tempel von Jerusalem.

Der Hl. Geist ist aber auch Kraft und Beistand für die Gläubigen, um den täglichen Kampf gegen das Böse zu bestehen. Die Aufgabe des Hl. Geistes wird im Johannesevangelium als eine dreifache geschildert. Es vollzieht sich gewissermaßen ein Prozeß vor Gericht. Der Hl. Geist führt diesen Prozeß zu einem sieghaften Ende.

Der Hl. Geist überführt die Welt, daß es eine Sünde gibt.

Das zeigt sich vor allem darin, daß die Verurteilung und Kreuzigung Jesu als Sünde sichtbar gemacht wird durch die Auferstehung und das Weiterleben des Herrn. Denn immer wieder wird es sich zeigen, daß der Unglaube zu Unmoral führt und die Unmoral letztlich das menschliche Leben zerstört oder unmöglich macht.

Das Einzelleben bis zum Selbstmord oder auf alle Fälle zur innerlichen Unzufriedenheit. Das Familienleben zum Zerfall und zur Unfruchtbarkeit, das Völkerleben zu Katastrophen, Revolutionen und Kriegen.

Das Geistesleben zu Materialismus, Individualismus, Selbstüberhebung, zu bloßer Zivilisation anstelle der Kultur usw. Wer sich dem Wirken des Hl. Geistes öffnet, hat den Blick dafür und beobachtet diese ständige Überführung, diesen Nachweis der Sündhaftigkeit und der Schuld.

Der Hl. Geist zeigt auch, daß es eine Gerechtigkeit gibt.

Wieder zuerst bei Christus. Er ist zu Unrecht verurteilt und getötet worden, aber der Vater hat ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen durch die Auferweckung und die Herrlichkeit. Damit wissen die Jünger und auch wir, daß das Recht doch letztlich siegt. Auch das wird weitergehen durch den Lauf der Kirchengeschichte. Das Unrecht wird für den Augenblick immer oder wenigstens häufig groß dastehen. Es hat die Macht auf seiner Seite, den Erfolg, die Anhängerschaft fühlt sich erhaben über alle moralischen Forderungen, behauptet richtig und gerecht zu handeln.

Aber der Hl. Geist zeigt immer wieder im Ablauf der Ereignisse, daß das Unrecht auf die Dauer unterliegt und immer wieder Trümmer und Ruinen zurückläßt. Und selbst, wenn die Weltgeschichte nicht das Weltgericht ist, so weiß der Gläubige durch den Hl. Geist, daß am Ende der Zeiten die Gerechtigkeit ihren Triumph feiern wird und daß aller Welt sichtbar gemacht wird, auf welcher Seite das Recht gestanden hat.

Endlich zeigt der Hl. Geist, daß es ein Gericht gibt.

Wieder zeigt es sich zuerst bei Christus. Denn das Volk, das den Herrn verworfen hat, wird selbst verworfen, sein Tempel wird zerstört, das Volk zersprengt. Es hat sich das Gericht selbst zugezogen.

Aber auch hier geht es weiter durch den Lauf der Geschichte. Es gibt ein Gericht, weil der Einzelmensch im Innersten immer wieder vor dem Gericht seines Gewissens und damit vor Gott steht.

Ein Gericht auch in dem Sinn, daß die Menschheit auf die Dauer sieht, wohin die Sünde führt, und dann doch schließlich ein richtendes Wort über die Scheingröße der Zerstörung spricht. Und auch hier ist das Wirken des Hl. Geistes letztlich Hinweis auf das Endgericht am Ende der Tage. Dann macht der Geist Gottes allen sichtbar, wo Sünde und Unrecht war.

Darum schreitet der gläubige Mensch ruhig durch allen Haß, alle Bosheit, alle Sündhaftigkeit und alle Triumphe des Bösen hindurch. Er hat durch das Licht des Hl. Geistes, durch das Wort des Glaubens, durch die Offenbarung Gottes ein sicheres Urteil und läßt sich nicht von der Meinung der Masse beeindrucken und bestimmen. Etwas Geradliniges, Ruhiges, Unbestechliches und Sicheres ist damit für die Haltung des Christen gegeben.

(nach:  Richard Gutzwiller, Meditationen über Johannes, Benziger Verlag Einsiedeln Zürich Köln, 1958)