Keine Liturgie bis einschließlich 19.04.2020!

Die Landesrregierung NRW und der Bund haben weiterhin aufgrund der aktuellen Ansteckungsgefahr nun bis einschließlich 19. April alle Gottesdienste in seinem Verantwortungsbereich augesetzt.

Die Vorgabe betrifft alle unsere Messorte!

Online können Sie die Hl. Messe und auch anderes über Internet verfolgen. Einige Möglichkeiten dazu finden Sie unter anderem hier!

In Liturgie und Gebet verbunden bleiben

In dieser Zeit, in der es momentan leider nicht möglich ist, direkt an der Liturgie der Kirche teilzunehmen, gibt es dennoch Möglichkeiten, sich wenigstens über verschiedene Medien mit der Liturgie und dem Gebet der Kirche zu verbinden.

Hier einige Möglichkeiten dazu:

Livestream / Übertragung Heiliger Messen:

    • Tridentinische Messe in Rimau – Online Übertragung aus dem tschechischen Wallfahrtsort – am Sonntag um 10:30 Uhr (gesungenes Amt, tschechische und deutsche Predigt) / von Montag bis Samstag um 18:00 Uhr

Predigt:

  • Predigten von P. Engelbert Recktenwald FSSP (auf Soundcloud)

Das Gebet der Kirche:

Zum vierten Fastensonntag „Laetare“ (Joh 6, 1-15)

von P. Marc Brüllingen


Codex Egberti

Danach ging Jesus ans andere Ufer des Sees von Tiberias in Galiläa. Es folgte ihm eine große Volksmenge, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber stieg auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Ostern war nahe, das Fest der Juden. Als nun Jesus die Augen erhob und sah, daß eine große Menge zu ihm kam, sagte er zu Philippus: „Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese essen könne?“ Das sagte er, um ihn auf die Probe zu stellen, denn er wußte, was er tun wollte. Philippus antwortete:“Für zweihundert Denare Brot reicht nicht aus, damit jeder auch nur ein wenig bekommt.“ Einer von den Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: „Es ist ein Knabe hier, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat, aber was ist das für so viele?“

Jesus sprach: „Laßt die Leute sich lagern.“ Es war viel Gras an dem Orte. Da lagerten sich die Männer, etwa fünftausend an Zahl. Jesus nahm nun die Brote, dankte, teilte sie aus an die, die sich gelagert hatten, ebenso auch die Fische, soviel sie wollten. Als sie satt geworden waren, sprach er zu den Jüngern: „Sammelt die übriggebliebenen Stücklein, damit nichts verdirbt.“ Sie sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit den Stücken der fünf Gerstenbrote, welche die Essenden übriggelassen hatten.

Als nun die Leute das Zeichen sahen, das er gewirkt hatte, sagten sie: „Das ist in Wahrheit der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ Jesus merkte, daß sie kommen und ihn gewaltsam entführen und zum König machen wollten. Darum zog er sich zurück auf den Berg, er allein.

Die Haltung des Volkes. Damals: Die Haltung des Volkes ist weithin begreiflich. Dieses schlichte Volk war zwar an ein denkbar primitives Leben gewöhnt und war mit wenig zufrieden. Aber es litt doch unter dem Gegensatz, daß die einen von mühsamem Taglohn lebten oder einem kleinen Äckerlein mit wenig Humus in Sorge und Unsicherheit einen kärglichen Ertrag abrackern mußten und dabei immer in Angst vor Dürre und Trockenheit lebten. Geld hatte man wenig., denn der römische Unterdrücker, die eingeborenen Fürsten und der Kultus des Tempels schöpften mit ihren Steuern immer wieder die Hauptsache ab. Auf der andern Seite sah dieses Volk den Luxus der römischen Offiziere und ihrer Damen, das Leben voll rauschender Feste am Hof des Herodes und die Bevorzugung derer, die es verstanden, durch Schmeicheleien die Gunst der hohen Herren zu gewinnen. Das Gleichnis vom reichen Prasser und armen Lazarus zeigt die Situation in voller Deutlichkeit.

Gerade darum setzt das Volk seine Hoffnung auf den kommenden Messias. Er soll das Reich Davids wieder aufrichten in einem Land, das fließt von Milch und Honig, wo die Tiere also fette Weide finden und die Bienen den Honig in blühenden Gärten, im reichen Blumenschmuck sich dehnender Felder. Die Kunde, daß Jesus von Nazareth der Messias sei, und die Vermehrung des Brotes hat alle diese Hoffnungen neu geweckt und damit das Volk in einen Taumel der Begeisterung versetzt.

Heute würde es wohl ähnlich gehen. Jährlich verhungern Zehntausende von Menschen. Gewaltige Bevölkerungsmassen leben dauernd unter dem Existenzminimum oder an seiner äußersten Grenze. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit als Wirkung der technischen Prozesse droht da und dort, Streiks flackern auf, die Unruhe gärt in der armen Bevölkerung. Daneben stehen Menschen und Firmen mit Rieseneinnahmen, schütten gewaltige Dividenden aus, leben in einem Standard, der nicht mehr zu verantworten ist. So ist auch hier der Gegensatz scharf und schroff.

Ist es dann nicht begreiflich, daß die Volksmassen denen nachlaufen, die ihnen materielle Sicherheit und Wohlfahrt versprechen?

Die Haltung Jesu. Jesus weiß um die Not und Armut. Zur Welt gekommen in einem Stall, nach einer Jugend unter den Armen des Dorfes Nazareth, das Leben fristend mit der harten einförmigen Arbeit eines Dorfzimmermanns hat er die Not am eigenen Leib verspüren müssen. Darum kann er sagen „Mich erbarmt diese Volkes“. Und doch hat er in der Wüste es als teuflische Versuchung von sich gewiesen, Steine in Brot zu verwandeln, und ist auch jetzt in der Rede nach der Brotvermehrung unwillig über die Forderungen des Volkes. Es gibt Höheres als das Brot und Wichtigeres als die rein materielle Existenz. Ein gehobenerer Standard ist nichts weniger als identisch mit höherem Menschentum. Ein gefüllter Magen bewirkt oft einen entleerten Geist. Ein weichliches Leben bewirkt oft genug eine Verhärtung des Herzens. Brot und Spiel will das Volk, moderner formuliert: Wirtschaft und Sport. Jesus will nicht zuerst die materielle Sicherung und Besserstellung, sondern es geht ihm um das Reich des Vaters und die Empfänglichkeit dafür. Das besagt nicht, daß das Christentum für die zu kurz Gekommenen sei, wohl aber besagt es, daß zwar nicht ein Bettlerelend – Christus ist nie bettelnd durchs Land gezogen – aber ein Leben gelegentlicher Entbehrung und ein Leben der Einfachheit den Menschen vom Irdisch-Diesseitigen, Bloßmenschlichen löst und ihm den Weg freigibt zum Überirdisch-Jenseitigen, zu Gott. Darum das Wort des Herrn „Selig die Armen“ und das Wort des Magnificat „Die Hungernden füllt er mit Gütern, die Satten läßt er leer ausgehen“.

Aus diesem Doppelelement des Verständnisses für die Not des darbenden Volkes einerseits und für die größere Wichtigkeit des Reiches Gottes anderseits ergibt sich die klare, eindeutige Haltung Christi. Er hilft in der Not, doch es ist nicht seine eigentliche Aufgabe, und darum hilft er auch nicht immer. Er stillt aber den seelischen Hunger, und das immer. Auch hier wird wieder sichtbar, wie sehr das Irdische, in diesem Fall das Brot, Zeichen von etwas Geistigem, Überirdischem ist, in diesem Fall Christus selbst als das, was dem Menschen seelisch Genüge verschafft. Er ist Fülle und Erfüllung für alle diejenigen, die nur durch Unendliches ausgefüllt werden können.

(nach: Richard Gutzwiller, Meditationen über Johannes, Benziger Verlag, Einsiedeln Zürich Köln, 1958)

Keine Liturgie bis einschließlich Karfreitag!

Das Erzbistum Köln hat aufgrund der aktuellen Ansteckungsgefahr vom 15. März bis einschließlich 10. April (Karfreitag) alle Gottesdienste in seinem Verantwortungsbereich augesetzt.

Auch die Stadt Köln hat auf dem gesamten Stadtgebiet alle Veranstaltungen inklusive aller Gottesdienste bis zu diesem Zeitpunkt untersagt.

Die Vorgabe des Erzbistums betrifft alle unsere Messorte!

Sonntag Quinquagesima

(23. Februar 2020 – Evangelium: Lk 18, 31 – 43)
von Pater Marc Brüllingen


In jener Zeit nahm Jesus die Zwölf beiseite und sprach zu ihnen: „Seht, wir ziehen hinauf nach Jerusalem: dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben. Er wird den Heiden ausgeliefert, verspottet, mißhandelt und angespien werden; man wird ihn geißeln und töten; aber am dritten Tage wird er wieder auferstehen.“ Allein sie verstanden nichts davon; diese Rede war für sie dunkel, und sie begriffen nicht, was damit gemeint war. –

Als er sich dann Jericho näherte, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Als er das Volk vorbeiziehen hörte, fragte er, was das sei. Sie sagten ihm, Jesus von Nazareth gehe vorüber. Da rief er: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Die Vorausgehenden schalten ihn, er solle schweigen. Er aber schrie noch lauter: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Da blieb Jesus stehen und ließ ihn zu sich bringen.Als er herangekommen war, fragte er ihn: „Was soll ich Dir tun?“ Er antwortete: „Herr, daß ich sehe!“ Jesus sprach zu ihm: „Sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen.“ Sogleich sah er, pries Gott und folgte ihm. Und alles Volk, das Zeuge davon war, lobte Gott.

Es geht Jesus nicht um Militär und Politik, nicht um äußeren Triumph, nicht um sieghaften Einmarsch in Jerusalem. An sich ist die Stimmung dafür günstig. Die Massen umgeben ihn. Die Begeisterung liegt in der Luft. Jesus ist in Jericho angekommen, also an dem Ort, an dem Israel sieghaft vom Heiligen Land Besitz ergriffen hat. Trockenen Fußes ist es durch den Jordan geschritten, und die uneinnehmbare Festung Jericho ist gefallen. Sollte er nicht das geistige Jericho, das Bollwerk seiner Feinde, im Vertrauen auf die Hilfe des Vaters nehmen?

Aber sein Reich ist das Reich der Liebe und der liebenden Hilfe. Auch beim Zug nach Jerusalem ist er der helfende Heiland, mit dem Blick für die Leidenden. So sieht er auf den, der nicht sehen kann. Beachtet das unbeachtete Häuflein Elend am Wegrand und hört den Hilferuf dessen, den man zum Schweigen bringen will und der sich darum kaum Gehör verschaffen kann. Mitten im Gedränge bleibt Jesus stehen, läßt den blinden Bettler heranführen und macht ihn sehend. Das ist für ihn wichtiger als die Begeisterung der Massen und die törichten Erfolgsideen und Siegesträume seiner Apostel. Dieser Blick für die Not mitten im Jubel des Volkes, dieses Verständnis des Großen für den Kleinen, des Sehenden für den Blinden, des Gebenden für den Bettler, hat gerade in dieser Stunde etwas besonders Schönes an sich.

Es liegt aber zwischen den Zeilen des Berichtes noch etwas anderes. Die Apostel haben das Wort Christi nicht verstanden. Als seelisch Blinde ziehen sie mit ihm nach Jerusalem. Und nun betont der Herr bei der Heilung des körperlich Blinden, daß der Glaube ihm geholfen habe. Der Glaube, der diesem Bettler das Licht der körperlichen Augen gegeben, soll auch den Aposteln das seelische Licht innerer Erkenntnis bringen. Nur dann können sie ihm richtig nach Jerusalem folgen. Blinde müssen sehend werden. Der Glaube ist das neue Licht. Diese neue Sehkraft eröffnet den Blick für die Dinge, die sonst verschlossen sind, vermittelt Erkenntnisse, die man sonst nicht haben kann, gibt Einsichten, die über die Sinneserkenntnis und den Verstand hinausreichen. Wer diesen Glauben nicht hat, ist ein Blinder.

Es kommt noch ein Weiteres dazu. Dieser blinde Bettler am Wegrand ist ein Bild der Menschheit. Jesus geht hinauf nach Jerusalem, um die Menschheit zu erlösen. Aber diese Menschheit sitzt unbeweglich an der Straße und glaubt noch Fortschritte zu machen. Sie ist blind und meint sehend zu sein. Sie ist arm und kann nur an die Barmherzigkeit Gottes appellieren. Aber Jesus bleibt stehen, um zu heilen und zu helfen. Er wird in Jerusalem die bettelnde Menschheit reich und die blinde Menschheit sehend machen. All das ist nur dem Glauben erkennbar. Und alle diese Kräfte werden nur dem glaubenden Menschen geschenkt.

So ist diese Szene dreifach wichtig. Denn sie besagt Heilung des körperlich Blinden, deutet an, daß die Apostel von ihrer seelischen Blindheit geheilt werden sollen und daß die ganze, blinde Bettelmenschheit durch den Zug des Herrn nach Jerusalem aus ihrem Zustand erlöst wird.

(nach: Richard Gutzwiller, Meditationen über Lukas II, Bonner Buchgemeinde, 1954, Benziger Verlag Einsiedeln Zürich Köln)

Vorwort zum Februar-Rundbrief

Darstellung des Herrn – Emailarbeit von Sr. Lioba Munz OSB

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

der Monat Februar beginnt mit dem Ende des Weihnachtlichen Festkreises, mit „Mariä Lichtmeß“ oder „Darstellung des Herrn“, wobei letztere Bezeichnung deutlich macht, daß es sich um ein Herrenfest handelt. In den Liturgien des Ostens wird es ebenfalls als ein solches begangen und führt hier die Bezeichnung „Hypapante“ oder Begegnung des Herrn (gemeint ist mit Simeon), als Ankunft des Sohnes Gottes im Tempel. Die Festfeier ist, wie oben gesagt, bei uns in der abendländischen Liturgie auch zu einem großen Teil dem Herrn geweiht. Die Antiphonen der ersten Vesper sind dem Offizium von der Beschneidung Christi (früher 1. Januar) entnommen; die Lesungen zur Matutin, die Antiphonen zu den Laudes und den übrigen Horen, die Eigenteile der Messe feiern die Darstellung Jesu im Tempel und die „Begegnung“. Dadurch, daß als Präfation auf Lichtmeß die Weihnachtspräfation gewählt ist, wird das Fest noch inniger mit dem Herrn verbunden.

Am Weihnachtsfest offenbarte sich Christus zuerst den Hirten, als Erstlingen der Juden, am Dreikönigstag den Vertrtern der Heidenwelt und am Fest der Darstellung zeigt er sich dem alttestamentlichen Hohenpriester und dem greisen Simeon und offenbart sich damit dem Priester und Prophetentum des Alten Testaments.

Und während er (Christus) nun dem Priester dargestellt und losgekauft wird, gibt er sich dem himmlischen Vater hin als das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt. Im Namen der sündigen Menschheit leistet er der beleidigten Majestät Gottes die schuldige Anbetung, Sühne, Genugtuung. Er bringt dem Vater seinen Leib und seine Seele zum Opfer für die Entsündigung und Heiligung der Menschheit. Nach 33 Jahren wird er diese Opferhandlung durch den blutigen Tod am Kreuz vollenden, auf Golgothas Höhe, außerhalb des Tempels; im Tempel zu Jerusalem hat er sie an diesem Fest zu ersten Mal bestätigt. Das ist die Bedeutung der Darstellung Jesu im Tempel.

(Nach Gedanken des Bischofs von Berlin, (+) Dr. Chr. Schreiber)

Wie Sie bei der Gottesdienstordnung entdecken werden, sind die Hl. Messen in Lindlar-Frielingsdorf nicht aufgeführt. Hier findet von der Pfarrei in Lindlar gerade eine Umstrukturierung statt. Wie das später aussehen wird, stand bei Redaktionsschluß dieser Ausgabe des „Kölner Rundbriefes“ noch nicht fest. Wir bitten um Verständnis.

Mit Segensgruß verbleibt, Ihr

Pater Andreas Fuisting

Weihnachten 2019

Heiligabend:

Erster Weihnachtstag:

Zweiter Weihnachtstag / Stephanustag:

Die Weihnachtsfeier in früherer Zeit

von P. Miguel Stegmaier und P. Marc Brüllingen

So wie man aus dem Gehalte eine Quelle, die aus tiefem Schoße der Erde hervorsprudelt, erkennen kann, was unten verborgen liegt, so offenbart sich auch in dem öffentlichen Leben eines Volkes, insbesondere in den Volksfesten, die nur die Blüten des Volkslebens sind, was im Gemüte des Volkes, in seinem ganzen Innern sich bewegt. Es spiegelt sich daher in solchen Volksfesten der ganze Charakter, die ganze Seele des Volkes ab.

Wenn die Volksfeste überhaupt die Blüten des Volkslebens sind, so muß man das Fest der hl. Weihnachten als die würzigste und duftigste dieser Blüten in deutschen Volkstum bezeichnen. Der Name kommt von dem altdeutschen „wy“, „heilig“, her; „heilige Nacht“ heißt er also. Merkwürdigerweise feierten schon die alten Deutschen um die nämliche Jahreszeit ihr Hauptfest, das Fest der Sonnenwende. Man dachte sich, daß die Sonne, die zu Ende Dezember am tiefsten steht, sich alsdann wieder verjünge, daß die gleichsam neugeboren werde. Die Perser, Ägypter und noch viele andere Völker des Altertums feierten ein ähnliches Fest. Unverkennbar liegt ein Walten der göttlichen Vorsehung darin, daß schon die heidnischen Völker um die nämliche Zeit ein Fest der Wiedergeburt feierten. Es war dadurch der Kirche erleichtert, an Stelle des heidnischen Festes sogleich das christliche zu setzten.

Schon drei Wochen vor Weihnachten, in den ersten Tagen des Advents, nahm das Fest gewissermaßen seinen Anfang mit den sog. Klöpfers-Tagen. Es zogen alsdann die Kinder in Begleitung der Greise des Orts, mit Stöcken und Schlegeln in der Hand, von Haus zu Haus, klopften damit an allen Haustüren an, sangen Weihnachtslieder, und wurden von den Hausleuten mit Gaben, bestehend in Brot, Früchten und dergleichen, reichlich beschenkt. Der letzte Besuch galt dem Pfarrer, der sie, umgeben von seinem Kaplan und Küster, empfing und jedes Kind mit einem Weihnachtsbildchen und einem Lebkuchen beschenkte. Die gesammelten Gaben wurden natürlich den ärmsten Kindern für ihre Eltern nachher überlassen. Die Grundbedeutung dieses Aufzuges war die Erinnerung an das Anklopfen und das Nachsuchen der Eltern Christi um eine Herberge zu Bethlehem.

Ein Zug der Mildtätigkeit und Sorge für die Armut durchwehte überhaupt und diese Zeit die ganze christliche Welt. Holz- und Jagdfrevel durften jetzt nicht bestraft werden. Der arme Mann durfte, wo er wollte, Holz fällen, damit er den Christbraten, den ihm Gott beschere, zubereiten könne.

Am Nachmittage vor dem heiligen Abende versammelten sich abermals die Kinder in einem öffentlichen Lokale. An einer Rolle, mitten im Zimmer oben angebracht, wurden Christwecken mittelst einer Schnur auf – und abgezogen, und von den Kindern wurde jauchzend und springend danach gehascht. Selbstredend spielten die Zieher der Schnur vor allen den ärmeren Kindern das Gebäck in die Hände.

Am heiligen Abende selbst wurde mit dem Glockenschlage sechs von allen Türmen „der Friede“ geläutet und von allen Toren der Städte herab in die Posaune gestoßen. Es war hiermit jedem, der in der Acht erklärt war oder sonst polizeilich verfolgt wurde, gestattet, frei und unbehelligt zu erscheinen und sich des Festes mitzuerfreuen. Er durfte bis zum Morgen des vierten Tages in der Gemeinde verweilen. Über den Mißbrauch dieser Freiheit sind höchst selten Klagen geführt worden. Ein schwacher Rest dieser alten schönen Sitten ist noch in unserer gegenwärtigen Gesetzgebung vorhanden, indem es nämlich verboten ist, an Sonn – und Festtagen jemand vorladen zu lassen.

Sobald nun, wie oben berichtet, um sechs Uhr abends das Friedensgeläute erklang, hatte alle Arbeit und jede Geschäftigkeit ein Ende. Es versammelten sich um den Hausvater vor dem durch eine Kerze beleuchteten Muttergottesbilde die Kinder und das ganze Hausgesinde. Es wurde gebetet und alte Weihnachtslieder gesungen, und hierauf ein einfaches Abendmahl genommen, in den ganz frommen Familien wurde strenge gefastet, sogar von den Kindern. Der Hausvater und die Hausmutter verharrten hierauf wieder mit einem Teile des Gesindes im Gebete bis kurz vor Mitternacht. Alsdann ward aus einer alten großen mit Samt belegten, künstlich bearbeiteten Dose die sog. Jericho-Rose hervorgeholt und in ein frisch mit Wasser gefülltes kristallenes Glas gesetzt. Diese Jericho-Rosen wachsen in Palästina, insbesondere am Jordanflusse, wild und wurden von den Kreuzfahrern als Andenken an die kriegerische Wallfahrt und das heilige Land mit nach Europa gebracht. Die kleinen Zweige der natürlich trockenen Krone breiten sich durch das frische Wasser und die Zimmerwärme etwas aus und schimmern, zu nicht geringem Erstaunen der frohen Kinder, etwas ins rötliche.

Nun begibt sich der Hausvater mit den schon erwachsenen Kindern und einem Teile des Hausgesindes in die Weihnachtsmesse. In derselben wird unmittelbar vor dem Anstimmen des Gloria durch den Priester durch zwölfmaliges lautes Anschlagen auf eine kleine silberne Glocke die Feststunde angedeutet, und es erschallt sodann durch die festlich erleuchteten Hallen der Kirche das „Ehre sei Gott in der Höhe!“

Nach Hause zurückgekehrt, erwartet die Hausgenossen ein kräftiges Frühstück, bestehend aus dem sog. Christbrote und aus Fleisch, das gemeinschaftlich verzehrt wird.

Um vier Uhr macht sich die Hausfrau mit den kleinen Kindern und den übrigen Hausgenossen auf den Weg zum zweiten feierlichen Hochamte, der sog. Hirtenmesse. In dieser zweiten Messe singt bloß das Volk; es singt nach alter Weise in den rührendsten Melodien die althergebrachten Weihnachtslieder.

Abermals erschallen die Glocken in den hellsten Tönen von allen Türmen der Stadt um neun Uhr. Es zieht der Hausvater seinen allerprächtigsten Staat an (denn es gab besondere Anzüge für die höchsten Feiertage), um mit aller Feierlichkeit dem letzten Hochamte beizuwohnen. Währenddes ist die daheimgebliebene Hausmutter äußerst rührig; mit feineren Getränken, mit Backwerk und Fleischspeisen werden die Tische so beladen, daß sie fast zusammenbrechen.

Gegen elf Uhr eilen nun in ihren Festkleidern nicht nur die auswärts verheirateten Söhne und Töchter, sondern auch die Mitglieder der ganzen Verwandtschaft bis zu den entferntesten herbei. Es finden sich auch die alten bewährten Hausfreunde ein, die treuen Bekannten und alle, die mit dem Hause in irgend einer Beziehung stehen, die Pächter, Arbeitsleute und dergleichen. Sie bringen dem Haupte der Familie ehrfurchtsvoll ihre Glückwünsche zu dem hohen Feste mit den Worten dar: „Wir wünschen ein glückseliges Fest!“ und nehmen von dem Hausherrn einen gleichen Glückwunsch entgegen. Die Vernachlässigung dieser so schönen Sitte wird als der sündhafteste Frevel und als die Erklärung einer immerwährenden Feindschaft angesehen. Auf solche Weise ward dieser Tag für manchen ein wahres Friedensfest, an welchem der Groll des bald dahinscheidenden Jahres vergessen und begraben wurde.

Nachmittags ward wieder die Kirche besucht und der übrige Teil des Abends still in der Familie zugebracht; denn der Besuch von Wirtshäusern an diesem Abende wurde als unchristlich betrachtet.

Erst am zweiten Tage war das gestattet. An demselben wurden vorzugsweise Turniere und Wettrennen gehalten. Was nur irgend reiten konnte, saß zu Pferde und machte seinen „Stephans-Ritt“.

Am dritten Tage endlich, am Johannestage, wurde der Wein des letzten Sommers getrunken; er hatte sich bis dahin so geklärt, daß er die Herzen der Anpflanzer erfreuen konnte.

(aus: „Münstersches Sonntagsblatt“ 1883; nach: Blütenkränze auf die Festtage Gottes und seiner Heiligen, herausgegeben von Reinhold Albers; ersten Teiles erster Band: Die gebotenen Festtage des Herrn; Paderborn, 1890; Druck und Verlag der Bonifatius-Druckerei)

Vorwort zum Dezember-Rundbrief

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

mit dem Advent beginnt jedes neue Kirchenjahr als Vorlauf zur „ersten Ankunft unseres Herrn Jesus Christus im Fleische“, wie man früher zu sagen pflegte. Der Advent ist eine Besinnungszeit. Von daher auch eine Zeit der Einkehr, der Buße und des Verzichts. Dafür steht eine prägende Gestalt, die zu den größten Heiligen zählt und von Gott erwählt wurde „Stimme des Rufers in der Wüste“ zu sein: Johannes der Täufer! Rufen wir ihn an und bitten wir ihn uns Führer zu sein durch die Zeit des Advents.

 Johann Michael Sailer (1751 – 1832), Bischof von Regensburg (seit 1829), stellt uns allen folgende Frage:

„Der Advent ist da. Nun sollten wir uns wieder an die Ankunft des Messias, an die Liebe des Vaters, der seinen Sohn zu uns und für uns herabsandte, erinnern lassen. Werde ich nach dem Advent auch heuer wieder so ungebessert, so träge zum Guten, so ohne christliche Gesinnung sein wie im vorigen Jahre? Werde ich auch heuer in der Christnacht, in dieser unvergleichlichen Mitternachtsstunde, wieder zu mir sagen müssen: Sieh, vier Wochen hattest du Zeit und Gelegenheit, dich auf diese Stunde vorzubereiten, und dein Herz ist noch so hart wie die Krippe, in die das Kind Jesus gelegen ward; noch so kalt, noch so frostig wie die Jahreszeit; so gleichgültig wie etwa ein vernunftloses Tier, das in dem nämlichen Stalle lag, wo Jesus geboren ward! Werde ich das wieder zu mir sagen müssen?“

In der Hoffnung auf eine für Sie alle fruchtbringende Adventszeit, grüßt Sie herzlich, Ihr

Pater Andreas Fuisting

Vorwort zum November-Rundbrief

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

der Monat November trägt im kirchlichen Kontext auch den Namen „Allerseelenmonat“. Er beginnt jedoch mit dem Fest Allerheiligen. Hier dürfen wir einen tiefen Zusammenhang erkennen, denn sowohl das Fest „Allerheiligen“ wie auch der Gedenktag für die Armen Seelen im Fegfeuer erinnert uns daran, daß alles zu einer und derselben Kirche gehört: der leidenden, streitenden und triumphierenden Kirche. Wir erinnern uns an den Katechismusunterricht unserer Kinderzeit: die „streitende Kirche“ ist die Gemeinschaft der Christgläubigen auf der Erde. Unter der „leidenden Kirche“ verstehen wir die „Armen Seelen“ im Fegfeuer, also die Seelen, die im Jenseits noch eine Läuterung durchzumachen haben, weil sie noch nicht die Vollkommenheit erreicht haben, die nötig ist, für die Anschauung Gottes. Die „triumphierende Kirche“ schließlich ist die Gemeinschaft der Vollendeten, die sich bereits der Anschauung Gottes erfreuen. Dabei ist zu bedenken, daß so mancher Christ bereits hier auf der Erde sein Fegfeuer durchstehen muß. Und die „streitende Kirche“ ist immer auch eine leidende Kirche, wie wir nicht nur in unserer Zeit feststellen müssen – heute allerdings eher von innen, als von außen – doch auch dort, denn die Christen bilden die  weltweit am meisten verfolgte religiöse Gemeinschaft. Wir erhoffen uns von der triumphierenden Kirche, daß sie für uns eintritt und auch streitet. Denn das haben wir alle bitter nötig!

Am Allerseelentag denken wir alle in besonderer Weise an den Tod, der übrigens häufig vor unser inneres Auge treten sollte. Wie heißt es doch so realistisch, und doch schön, in Psalm 89, Vers 12: „(Herr), unsere Tage zu zählen, das lehre uns, damit wir ein weises Herz bekommen!“

Wir sollten aber auch sehen, daß der Gedenktag für die Armen Seelen kein Tag der Hoffnungslosigkeit ist! Denn für uns gläubige Christen gilt doch: „Mors portae vitae“ (Det Tod ist das Tor zum Leben). Durch die dunkle Pforte schreiten wir als Jünger Jesu in eine andere Welt, in der Gott „jede Träne abwischen wird von unseren Augen“, und „der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Jammer, noch Mühsal…“ Christus spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb. 21,4 f.)

Pater A. Fuisting

Konfraternität 2019

Aufnahme in die Konfraternität 20.10.2019:

Vorwort zum Oktober-Rundbrief

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

nun stehen wir bereits im Herbst dieses Jahres im Herrn 2019, einer Jahreszeit, die auch Sinnbild ist für das baldige Lebensende des Menschen hier auf der Erde. Zu Beginn des Monats Oktober feiert die Kirche jene von Gott geschaffenen Reinen Geister, die dem Menschen während seiner gesamten Lebenszeit zum Schutz an die Seite gestellt werden: die Heiligen Schutzengel!

Wie schön schreibt Pius Parsch: „Die Kirche lebt im Reiche der Übernatur und darum ist sie mit den Geistern der Übernatur, den Engeln, wohl vertraut. Wir brauchen bloß das Ordinarium der Messe zu verfolgen und wir werden immer wieder den Engeln begegnen, sei es, daß wir sie als gegenwärtig wissen, sei es, daß wir ihre Lieder singen (Gloria, Sanctus), sei es, daß wir sie in ihrem Gottes- und Menschendienst bewundern. Heute aber will uns die Kirche eine besonders liebliche Offenbarung der göttlichen Fürsorge für uns Menschen feiern lassen, jene nämlich, daß Gott für jeden von uns einen eigenen Schutzgeistbestellt hat, der uns durch das Leben begleitet von der Wiege bis zum Grabe, das Schutzengelfest; es ist wohl noch nicht alt; und doch ist es sehr populär. Eigentlich ist es die Erweiterung des ältesten Engelfestes, des Erzengels Michael. Diesen haben wir als Schutzengel der Gesamtkirche gefeiert“ (2019 am 29. September).

(aus: Das Jahr des Heils, 10. Auflage 1932, Band 3, Seite 632)

 

Vorwort zum August-/September-Rundbrief

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

diese Ausgabe unseres Regionalbriefes erscheint, wie in jedem Jahr, zusammen mit dem „Informationsblatt“ als Doppelnummer für August und September zusammen. Daher finden Sie im hinteren Teil des Rundbriefes auch die Gottesdienstordnung für beide Monate. Zu Beginn setzen wir den Beitrag Joseph Ratzingers fort. Es schließen sich die Ausführungen des Prälaten Pfeil an, über den Glauben des katholischen Christen ans Jenseits.

Ihnen von Herzen eine gute Zeit und sollten Sie in Urlaub gehen gute Erholung!

Mit Segensgruß, Ihr

Pater A. Fuisting

Zum 5. Sonntag nach Pfingsten

(14.07.2019) / von Pater Marc Brüllingen

Erneut ist im heutigen Evangelium (Mt 5,20-24) die Rede von der Nächstenliebe. Es sind ernste, strenge Worte, die der Heiland an die Adresse der Pharisäer und Schriftgelehrten richtet. In der äußerlichen Erfüllung des Gesetzes, der peinlichen beobachtung all der bestimmungen der jüdischen Moral- und Ritualvorschriften sahen sie die „Gerechtigkeit“, die wahre Heiligkeit und höchste Vollkommenheit.

Dabei war ihr Herz voller Arglist, Bosheit und Falschheit, voller Grimm und Rachsucht gegen alle, die sie als ihre Feinde ansahen, besonders gegen den verhaßten Galiläer. Ihm, der sie bis auf den Grund ihrer heimtückischen Seele erkannte und durchschaute und sich auch nicht scheute, sie vor allem Volke anzuprangern, wie sie’s verdienten, hatten sie unversöhnliche Feindschaft geschworen!

So verstehen wir denn die Warnung Jesu an das Volk: „Wenn euere Gerechtigkeit nicht vollkommener ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht ins Himmelreich eingehen!“ Man muß eben die Mentalität, die ganze geistige Verfassung der damaligen Juden, insbesondere der Pharisäer und Schriftgelehrten richtig kennen, um den Sinn dieser Worte voll und ganz zu erfassen.

Wer den Haß gegen den Feind zum obersten Gesetze macht, der sieht alles als erlaubt an, jedes Mittel, den Feind zu verderben, die Rache zu kühlen: List, Heuchelei, Verstellung, Lüge und Verleumdung. Wie meisterhaft haben eben dieselben Pharisäer und Schriftgelehrten diese „Kunst“ verstanden, als es galt, ihren größten Feind, Jesum von Nazareth, zu Fall zu bringen!

So werden auch die Worte umso verständlicher, die Christus zur Erläuterung und zur Illustrierung des Gesagten beifügt: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt worden: Du sollst nicht töten! Wenn einer tötet, ist er dem Gericht verfallen. Ich aber sage euch: Wer über seinen Bruder zürnt, ist dem Gerichte verfallen!“

Wie weit strenger ist doch seine Forderung wahrer Nächstenliebe! Nicht bloß die Tat, nein, auch schon der Gedanke und der Wille, dem Nächsten zu schaden, ist eine Sünde. Und er geht noch weiter: Selbst jedes Schimpfwort, jede Beleidigung und Kränkung des Mitmenschen verdient Strafe Gottes! Sind doch alle Menschen unsere Brüder, weil Gott unser aller Vater ist, der im Himmel wohnt!

Und so ergibt sich daraus von selbst die Mahnung aus dem Munde Jesu: „Wenn du also deine Gabe zum Altare bringst und dich daselbst erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so lasse deine Gabe dort vor dem Altare und gehe hin, versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe!“

Wichtiger noch und wohlgefälliger als die Opfergabe, das will der Heiland besagen, ist in den Augen Gottes, des Allwissenden und Allgerechten, die Erfüllung seines Gebotes: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst! Er, vor dessen allgegenwärtigem Auge nichts verborgen ist, der Herz und Nieren durchforscht und hineinschaut bis in die geheimsten Falten der Seele, sieht vor allem auf die Gesinnung des Herzens und spricht danach sein Urteil über den Menschen.

Und dies sein Urteil bleibt unabänderlich, unwiderruflich. Denn vor Gott dem Herrn gilt kein Ansehen der Person. Was immer der Mensch Böses denkt und sagt von seinem Nebenmenschen, was er gegen ihn tut und unternimmt, findet seinen strengen, unerbittlichen Richter, wenn nicht hienieden schon, so doch in der Ewigkeit!

Wie der göttliche Heiland dies sein Gebot verstanden haben will, hat er unzweideutig erklärt: „Ihr wisst, daß den Alten gesagt wurde. Hasset eure Feinde! Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde! Tut Gutes denen, die euch hassen, betet für jene, die euch verfolgen und verleumden, damit ihr Kinder dessen seid, der seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte!“

Wer Haß und Feindschaft im Herzen trägt wider seinen Nächsten, belügt sich selbst, wenn er zum Vater betet, der im Himmel ist: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!“ Derjenige, der diese Bitte uns gelehrt, hat uns durch sein Beispiel gezeigt, wie sie auch in die Tat umzusetzen ist, dadurch, daß wir dem Nächsten von Herzen verzeihen. Denn nur dann dürfen wir auch Vergebung erhoffen für unsere eigenen Sünden.

An Großmut läßt sich Gott wahrlich von niemandem übertreffen. Und nur wer großmütig verzeiht, ist seiner auch würdig. Darin unterscheidet sich das Christentum vom Heidentum, dem alten und neuen, sowie den anderen Religionen, auch der jüdischen, daß es die Religion der Liebe und Versöhnung ist: „Daran sollen sie euch erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe!“

(nach: August Schmidlin, Empor die Herzen – Lesungen für die Sonn – und Festtage des Kirchenjahres; 1941, Verlagsbuchhandlung zum Münster, A.G., Straßburg)

Vorwort zum Juli-Rundbrief

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

die heilige Kirche Gottes befindet sich in einem Zustand, den noch vor Jahrzehnten wohl kaum jemand hat vorhersagen können, so daß die Frage des Herrn, ob der Menschensohn noch Glauben finden werde, wenn er  wiederkommt, schon im hier und jetzt eine Antwort zu finden scheint, nämlich: wohl kaum. Der junge Priester Joseph Ratzinger und spätere Papst Benedikt, hat sich indes bereits 1958 mit der Frage beschäftigt und kam zu dem Ergebnis, „im Herzen der Kirche“ wachse ein neues Heidentum. Aus dieser visionären Schrift, bringen wir nun den ersten Abschnitt und empfehlen Ihnen den Beitrag zur weiteren Lektüre. Unter dem Titel: „Die neuen Heiden und die Kirche“ erschien dieser Vortrag in der Zeitschrift „Hochland“ in der Oktoberausgabe 1958.

Es grüßt Sie herzlich, Ihr

Pater A. Fuisting


Nach der Religionstatistik ist das alte Europa noch immer ein fast vollständig christlicher Erdteil. Aber es gibt wohl kaum einen zweiten Fall, in dem jedermann so genau wie hier weiß, daß die Statistik täuscht: Dieses dem Namen nach christliche Europa ist seit rund vierhundert Jahren zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen her auszuhöhlen droht. Das Erscheinungsbild der Kirche der Neuzeit ist wesentlich davon bestimmt, daß sie auf eine ganz neue Weise Kirche der Heiden geworden ist und noch immer mehr wird: nicht wie einst, Kirche aus den Heiden, die zu Christen geworden sind, sondern Kirche von Heiden, die sich noch Christen nennen, aber in Wahrheit zu Heiden wurden. Das Heidentum sitzt heute in der Kirche selbst, und gerade das ist das Kennzeichnende sowohl der Kirche unserer Tage wie auch des neuen Heidentums, daß es sich um ein Heidentum in der Kirche handelt und um eine Kirche, in deren Herzen das Heidentum lebt. Der Mensch von heute kann also als Normalfall den Unglauben seines Nachbarn voraussetzen.


 

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