Der Erzengel Michael

von P. Miguel Stegmaier


SanMiguelILeben und Sterben des Menschen sind ständig umlauert vom Engel der Nacht. Sie sind auch bewacht vom Engel, der den Drachen besiegte. Die Kirche feiert zweimal jährlich ein Fest zu Ehren des Erzengels Michael, das Hauptfest am 29. September; das Fest seiner Erscheinung auf dem Berg Gargano am 8. Mai. Sie bittet ihn auch bei jeder heiligen Messe im Confiteor („Ich bekenne“), als den Vertreter der ganzen Engelwelt, daß er zusammen mit den Heiligen für uns Sünder bitte. Beim feierlichen Hochamt bietet sie ihm als dem großen Anbeter Gottes auch die Weihrauchschale an: „Auf die Fürsprache des heiligen Erzengels Michael, der zur Rechten des Rauchopferaltares stand, und all Seiner Auserwählten möge der Herr diesen Weihrauch segnen und als lieblichen Wohlgeruch annehmen. Durch Christus unsern Herrn.“ (Römisches Missale, Offertorium). Die Kirche hält in unserer vom Teufel umdrohten Zeit auch am zusätzlichen Gebete nach der heiligen Messe zum Erzengel Michael fest.

Mit ihr falten wir die Hände und bitten wider alle Teufel, die unser Leben und Sterben bedrohen, zum machtvollen Engel:

 „HEILIGER ERZENGEL MICHAEL, BESCHÜTZE UNS IM KAMPFE! BEHÜTE UNS GEGEN DIE NACHSTELLUNGEN DES BÖSEN FEINDES! IHM MÖGE GOTT GEBIETEN, SO FLEHEN WIR INSTÄNDIG!

DU ABER, FÜRST DER HIMMLISCHEN HEERSCHAREN, WOLLEST DEN SATAN UND ALLE ANDERN BÖSEN GEISTER, DIE ZUM VERDERBEN DER SEELEN IN DER WELT UMHERGEHEN, MIT GOTTES KRAFT IN DIE HÖLLE HINABSTOSSEN. AMEN.“

(Otto Hophan, Die Engel, Luzern, 1956)

Der Rosenkranz

von P. Miguel Stegmaier


rosenkranz„Salutate Mariam! Quae multum laboravit in vobis“ – Grüßet Maria, die sich für euch so sehr abgemüht hat (Röm 16, 6).

Im 4. Jahrhundert kam der hl. Bischof und Kirchenlehrer Gregor von Nazianz, mit dem Beinahmen „Der Theologe“, auf die Idee, Maria gegenüber seine Verehrung und Liebe darzubringen, indem er statt eines Kranzes aus Rosen einen Kranz aus Gebeten und Liedern ersann, die aus den tiefen Empfindungen seines andächtigen Herzens hervorkamen.

Der Inhalt dieser Gebete und Lieder pries und verherrlichte die Tugenden Mariens, ihre Demut, ihr Gottvertrauen, ihren Gehorsam, ihre Jungfräulichkeit, ihren Leidensmut, ihre Macht und Güte, ihre Muttersorge und Treue.

Der hl. Gregor lud an den Muttergottesfesten die Gemeinde zum Mitbeten ein, und die Erfindung dieses Gebetskranzes (lateinisch: corona praecum) fand großen und freudigen Beifall beim katholischen Volk.

Was ist nun ein Rosenkranz?

1) Der Rosenkranz ist eigentlich ein Kranz mündlichen Gebetes.

Was bedeutet „beten“? „Beten“ heißt, „sein Herz zu Gott erheben“ (sursum corda), und „ihn um Gnade zu bitten“ (preces). Beten heißt, fromm mit Gott oder mit seinen Heiligen zu sprechen (pia conversatio). Wir beten also, wenn wir ganz bei Gott sind, wenn wir seine Größe bewundern, wenn wir unsere Armseligkeit, unsere Hilflosigkeit ihm eingestehen und ihn um seine Hilfe bitten: „Deus in auxilium meum respice“ ( Ps. 39, 1) – Herr, sei bedacht, mir zu helfen. Wenn wir in bestimmten Worten unseren Gefühlen Ausdruck geben, dann haben wir das mündliche Gebet, wenn wir nur an ihn denken, wenn wir ganz aufmerksam sind auf seine Worte, wenn wir mit unserm Herzen bei Gott sind, daß wir bestrebt sind, alle Gedanken, die Gott mißfallen, aus unserm Herzen zu entfernen. Die hl. Theresia vom Kinde Jesu sagt ähnlicherweise über das Gebet: „Für mich ist das Gebet ein Schwung des Herzens, ein einfacher Blick zum Himmel, ein Ausruf der Liebe und Dankbarkeit mitten aus der Prüfung, mitten aus dem Glück. Kurz, es ist etwas Erhabenes und Übernatürliches, das die Seele ausweitet und sie mit Gott vereint.“

Allerdings, den meisten Menschen ist es nicht gegeben, ihre Gefühle mit ihren eigenen Worten frei und leicht auszudrücken, sie brauchen deshalb „mündliche Gebete“, die sie entweder auswendig gelernt haben oder aus einem Buch ablesen. Aber die Qualität des Gebetes hängt nicht vom Aufsagen langer Gebetsformeln und nicht vom langen Lesen in einem Gebetbuch ab, sondern von der guten Gesinnung, die die Menschen Gott gegenüber bezeugen. Für Gott ist nicht die Quantität des Gebetes, sondern mehr ihre Qualität wichtig. Der Heiland sagt: „Auch sollt ihr beim Gebete nicht viele Worte machen, wie die Heiden, die meinen, sie würden wegen ihrer vielen Worte erhört“ (Mt. 6, 7).

Die Qualität ist also im wesentlichen eine Frage des Inhalts. Im Rosenkranz haben wir nicht irgendein Gebet vor uns, das Menschen gemacht haben, sondern ein Gebet des Herrn, das „Vater unser“, das wir von Jesus selbst gelernt haben und das „Ave Maria“, den englischen Gruß, vom Erzengel Gabriel zuerst gesprochen, der von Gott gesandt war.

Das „Vater unser“ enthält so herrliche Bitten, daß wir es ruhig öfter hersagen können. Und das „Ave Maria“ ist eine ehrfurchtsvolle Begrüßung der Muttergottes, die nicht nur ein großer Heiliger, sondern ein Bote Gottes gesprochen hat. Diese beiden Gebete erheben also mit Leichtigkeit unser Herz zu Gott, wir können Gott Vater und die allerseligste Jungfrau niemals mit schöneren Worten preisen, als wenn wir diese beiden Gebete sprechen. Wenn wir also das „Vater unser“ und das „Ave Maria“ sprechen, gehen wir gewissermaßen an der Hand der Muttergottes zum himmlischen Vater und vereinigen unser schwaches Gebet mit dem Gebet der größten Heiligen, um Gott würdig zu preisen. In der Tat vereinigen wir uns mit großen Heiligen, die ständig den Rosenkranz beteten; z.B. ließ der hl. Pius V, ungeachtet seiner vielen Geschäfte, keinen Tag vorübergehen, ohne den Rosenkranz zu beten. Der hl. Karl Borromäus betete ihn gleichfalls täglich. In seiner Domkirche zu Mailand errichtete er die Rosenkranzbruderschaft, bei deren Versammlungen er häufig selbst den Rosenkranz vorbetete. Der hl. Johannes Berchmans, Jesuit, wollte mit dem Rosenkranz in der Hand sterben. Der hl. Franz Xaver heilte die Kranken durch Berührung mit dem Rosenkranz. Der hl. Franz von Sales und der hl. Alfons von Liguori hatten sich durch ein Gelübde verpflichtet, alle Tage den Rosenkranz zu beten.

2) Der Rosenkranz ist ein Mariengebet und ein vertrauensvolles Gebet.

Wir sehen im Rosenkranz, wie Maria bei allen Geheimnissen der Erlösung beteiligt ist, wir ergreifen im „Ave Maria“ ihre Hand und betrachten gemeinsam mit ihr die Geheimnisse des Lebens und Todes Jesu Christi, damit sie uns den Heiland vorstelle und an unserer Stelle für uns bitte.

Nun, das Psalterium Mariae (Psalter Mariä) oder Rosarium (Rosenkranz) besteht darin, daß man nach vorausgeschicktem apostolischem Glaubensbekenntnis, fünfzehn Mal das Gebet des Herrn mit dem Verherrlichungspruche: „Ehre sei dem Vater“, und einhundertfünfzig Mal den englischen Gruß betet, wobei die fünfzehn Geheimnisse des Erlösers und seiner heiligsten Mutter zur Betrachtung beigefügt werden. Der ganze Rosenkranz zerfällt wieder in drei Teile, in fünf „Vater unser“ und fünfzig englische Grüße, die „decades“ – Gesetze genannt werden. Die beigefügten Geheimnisse scheinen diese Abteilung hervorgebracht zu haben. Der erste Teil enthält die fünf vorzüglichsten Geheimnisse der Menschwerdung (Mysteria gaudiosa); der zweite die des Leidens (Mysteria dolorosa); der dritte die der Verherrlichung (Mysteria gloriosa); Papst Johannes Paul II fügte dem Rosenkranz mit dem Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae vom 16. Oktober 2002 die lichtreichen Geheimnisse hinzu. Diese nennen Glaubensgeheimnisse zwischen Kindheit und Leiden Jesu und ergänzen die drei klassischen Formen (freudenreicher, schmerzhafter und glorreicher Rosenkranz).

Die Abfassung und Einteilung des Rosenkranzes in bestimmte Gesetze oder Absätze mit abwechselndem „Vater unser“ und zehn „Ave Maria“, sowie der beigemischten Betrachtung der Geheimnisse des Lebens, Leidens und der Verherrlichung unseres Erlösers, mit einem Wort, der Rosenkranz, wie wir ihn gewöhnlich beten, rührt wohl vom hl. Dominikus, Stifter des Prediger-Ordens oder Dominikaner, her, der im dreizehnten Jahrhundert lebte. Etwas dem Rosenkranz ähnliches hatte man jedoch schon früher. Bereits im vierten Jahrhundert hat der hl. Bischof Gregor von Nazianz einen Kranz aus Gebeten und Liedern zur Ehre der Gottesmutter komponiert. Im elften Jahrhundert bestimmte der hl. Abt Johannes Walbert: diejenigen unter seinen Mönchen, welche nicht Priester waren und kein Latein verstanden, also die lateinischen Psalmen im Chor nicht mitsingen konnten, sollten statt dessen eine gewisse Anzahl „Vater unser“ und „Ave Maria“ beten. Zum Abzählen bedienten sie sich gewisser Körner, welche sie an ihrem Gürtel angehängt trugen. Sogar in den ersten Jahrhunderten gebrauchten die Einsiedler schon kleine Steinchen oder sonstige Zeichen, um damit ihre Gebete abzuzählen.

Die Benennung „Rosenkranz“ soll durch eine wunderbare Begebenheit entstanden sein. Die hl. Rosalia, eine nahe Verwandte Kaiser Karls des Großen, hatte in ihrer Einöde eine Schnur mit vielen kleinen Körnern, die sie in ihrer Hand trug und woran sie wohl auch betete, und an deren Spitze ein kleines Kreuz hing. Der Name Rosalia, kann vielleicht eine Veranlassung zu der Benennung „Rosenkranz“ gewesen sein. Jedenfalls kommt er auch durch den Vergleich Mariens mit einer Rose. Schon die heilige Schrift sagt von ihr nach der Auslegung der Kirche: „Wie eine Rosenstaude wuchs ich“, und wir nennen sie in der „Laurentanischen Litanei“ die „rosa mystica“ (geheimnisvolle Rose). Maria heißt deshalb die „geheimnisvolle Rose“, weil sie gleich dieser Blume durch ihre Lieblichkeit, durch den herrlichen Blumenduft der schönsten Tugenden sich ausgezeichnet und weil sie, wie die Rose, die vornehmste unter den Blumen, die schönste, die höchste, die Königin aller Menschen und Engel ist. Wie der allweise Schöpfer der Rose die Dornen gegeben hat zum Schutz, so war auch Marias jungfräuliche Reinheit durch den doppelten Dornenzaun der Makellosigkeit und sittsamer Zurückgezogenheit gegen die Gefahren der Welt gesichert.

Der Rosenkranz stellt uns vor, was Gott alles für uns getan hat, um uns an sich zu ziehen. Er stellt uns das ganze Erlösungswerk Christi vor und leitet uns an, die Güte Gottes in diesen Geheimnissen zu betrachten. Darum tun wir recht daran, den Rosenkranz zu beginnen mit dem Glaubensbekenntnis. Wir beten dann zuerst um die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe, um das richtige Verhältnis zu Gott zu finden, und dann ist jedes Geheimnis eine so nachdrückliche Predigt von der Liebe Gottes zu uns, daß es uns nicht schwer fallen kann, diesem gütigen Gott unsere Anliegen mit unbeschränktem Vertrauen vorzutragen.

Der Rosenkranz ist endlich eine wahre Schule des Gebetes und eine Schule der Marienverehrung. Was für den Priester sein Brevier, das ist für den Gläubigen der Rosenkranz. Alle guten Eigenschaften des Gebetes können wir hier lernen, alle unsere Stimmungen in ihn hineinlegen. Die großen Feste des Kirchenjahres kehren in seinen Geheimnissen wieder, die Gnade Gottes können wir durch ihn erflehen, unsere Sorgen und Nöte tragen wir im Rosenkranz zu Maria und schöpfen aus seinen Geheimnissen Trost und Kraft. Wenn man um unsere im Tode erkalteten Hände den Rosenkranz schlingt, wie es der Wunsch des hl. Johannes Berchmans war, so soll das nicht ein inhaltsloser Brauch sein. Nein! Sondern das Bekenntnis, daß wir im Tod durch den Rosenkranz Hilfe von Maria erwarten. So können wir mit jedem „Ave Maria“ im Stillen das Gebet verbinden: „O Gott, du hast Großes an uns getan. Siehe, wir vertrauen auf dich, daß du uns die Gnade deiner Erlösung zuwenden und unser Gebet erhören wirst.“

Königin des heiligen Rosenkranzes, bitte für uns!

Das Gebet

von P. Andreas Lauer


gebet„Ich lade alle ein, für die Opfer dieser Tragödien zu beten“, so und ähnlich hören, lesen wir immer wieder Gebetsaufrufe des hl. Vaters – und welche monatlichen Gebetsanliegen außerdem der hl. Vater hat, ist in unserem Rundbrief aufgeführt.

So manche fragen sich, was das denn nütze, was kann das Bitt-Gebet, was kann mein Gebet da bewirken; beispielsweise auch solche „utopische“ Gebete wie der Wettersegen, der ja doch keinen Einfluß auf die kosmischen Kräfte ausüben könne – es kommt, was kommen wird. Und mit dieser Einstellung wird das Gebet nicht mehr ernst genommen und Gott nicht mehr vorgetragen.

Wer so denkt, der macht sich wahrscheinlich zu wenig bewußt, daß Gott zum einen allmächtig ist, daß er all das kann, was sich nicht widerspricht. Er hat die Welt geschaffen und er erhält sie im Dasein; er lenkt die Geschichte und kann so auch bestimmte Dinge, Verhältnisse beeinflussen.

Allerdings will er manche Dinge wirken durch unser Zutun, durch unser Mitwirken – und wenn das beispielsweise „nur“ durch das Gebet ist; lehrt uns doch unser Herr selbst im Vaterunser um so elementare Dinge zu beten, wie das tägliche Brot, das der Beter nicht nur für sich, sondern für „uns“, für alle Menschen erbeten soll. „Gott liebt es, belästigt zu werden“, sagte der heilige Jean-Marie Vianney (1786-1859), der Pfarrer von Ars, einmal.

Und so gibt es tatsächlich viele geschichtliche Beispiele, historische Tatsachen, die bezeugen, wie aufgrund des Gebetes der „natürliche“ Verlauf der Dinge sich so gewandelt hat, wie man das natürlicherweise nicht erwartet hätte. Freilich, in unserem „aufgeklärten“, technischen Zeitalter werden solche Tatsachen, wenn nicht gar direkt abgelehnt, so doch stark ihre göttliche Fügung in Frage gestellt.

Grundsätzlich ist es die Gnade Gottes, die uns antreibt zu beten und die allen, auch den Sündern angeboten wird; und wenn der Betende im Stand der Gnade ist, dann wird in besonderer Weise der Wert seiner Gebete erhöht.

Das, um was wir bitten, sollen in erster Linie Güter sein, die zum ewigen Leben führen, vor allem übernatürliche Gnaden – erst an zweiter Stelle kommen zeitliche Güter, je nachdem sie unserem Seelenheil nützen, soweit wir sie zum Leben brauchen. Sagt doch der Herr selbst: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit und alles andere wird euch obendrein zugegeben werden.“ (Mt. 6, 33)

Und wenn wir um diese oder jene besondere Gnade beten, dürfen wir sie nicht anders als in Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes erbeten. Gott, der die Liebe ist, erkennt in seiner unendlichen Weisheit besser als wir, was jeder Seele frommt, je nach dem Stande und Grade ihrer Vollkommenheit. Er verteilt Gnaden des Trostes oder der Trockenheit, der Ruhe oder des Kampfes, je nach den Absichten seiner unendlichen Weisheit und den Bedürfnissen unserer Seele.

Und wenn der einzelne doch nicht das notwendige Vertrauen hat auf sein Gebet, so kann und soll er doch sein Gebet vereinen mit dem Gebet Jesu, mit dem Vertrauen, mit dem Er gebetet hat, dem himmlischen Vater das Gebet des Herrn. Oder der Gläubige möchte doch das Gebet der Kirche als solches vortragen, und ihn bitten, unseren gütigen Vater, die Kirche zu erhören – schließlich wird Er seinem Sohn und der vom Heiligen Geist gelenkten Kirche wohl keine Bitte abschlagen.

Die selige Katharina Emmerich hatte einmal eine Vision. Es wurden ihr vier Tafeln gezeigt, auf diese hat ein Engel Gebete aufgeschrieben. Auf die erste schrieb er Gebete mit funkelndem Gold, auf die zweite mit leuchtendem Silber, auf die dritt dunkler Farbe – und auf die vierte Gebete mit schwarzer Farbe, die hat er dann durchgestrichen. Da hat sie gefragt, was das zu bedeuten habe. Der Engel hat ihr erklärt, daß das, was mit Gold geschrieben ist, das Gebet jener sei, denen es wirklich ernst ist im Gebet. Mit anderen Worten, das Gebet jener, die wollen, daß der Name Gottes geheiligt werde, die wollen, daß sein Reich komme usw., und die ihren Willen, ihren Ernst vereinigen mit dem Verlangen, dem Ernst Christi, wie Er das gewollt hat. Sie haben ihr Gebet vereinigt mit dem Gebet des Herrn; und das sollen wir immer tun, unser ganzes Tun, unser Gebet, unsere Arbeit, unsere Leiden, wie ein Wassertropfen, den der Priester da bei der Vorbereitung der Opfergaben in den Kelch fallen läßt, vereinigen dem, was Jesus getan hat, dann wird unser Gebet, unser Tun zu einem Gefäß, das sich füllt mit dem Gebete Jesu.

Das Gebet, das mit Silber geschrieben ist, sei das Gebet jener, denen es auch ernst sei. Es ist gutes Gebet, es wird aufgeschrieben, es leuchtet vor Gott, aber nur in Silber, weil diese nicht im Bewußtsein ihres eigenen Unvermögens mit ganzem Ernst und Willen das Gebet des Herrn in Anspruch nehmen.

Das Gebet jener, das nur mit dunkler Farbe geschrieben ist, sei das Gebet jener, die zwar im Stand der Gnade sind, und einigermaßen noch aus der Liebe Gottes heraus beten. Es ist ihnen schon ein wenig ernst, aber in Wirklichkeit ist ihr ganzes Sinnen und Trachten und ihre Sehnsüchte auf ganz andere Dinge gerichtet als auf Gott: auf die irdischen Dinge, die Ehre, den Reichtum, das Ansehen bei den Menschen, die Befriedigung aller natürlichen Neigungen. Da ist nicht Gott an der ersten Stelle, sondern sie selbst. Nur soviel es ihnen dabei noch um Gott zu tun ist, wird das Gebet noch angenommen; es wird zwar nicht durchgestrichen, aber es hat keine Leuchtkraft vor Gott.

Das Gebet mit schwarzer Farbe, das durchgestrichen wird, das ist das Gebet jener, die im Stand der Todsünde sind. Sie sind getrennt von Gott, sie haben die Liebe nicht mehr in sich. Sie haben an die Stelle Gottes einen Götzen gesetzt, ob es nun das Geld ist oder die Ehre der Bauch usw. Ihnen geht es nicht um die Ehre Gottes, das Reich Gottes, den Willen Gottes in Wirklichkeit, auch wenn sie noch Gebetsformeln hersagen – drum ist kein wirkliches Gebet mehr, das wird durchgestrichen, mit schwarzer Farbe geschrieben.

So wollen wir klug sein und dafür sorgen, daß unser Gebet, und auch alles wir sonst tun, arbeiten und leiden, vereinigen mit dem, was Jesus getan hat, mit seinem Willen, mit seinem Vertrauen auf den himmlischen Vater, der ihn erhört.

Anmerkungen zur Gebetshaltung

von P. Andreas Lauer


haende-klImmer wieder kommt es vor, dass Gläubige unsicher sind, welche Haltung sie in der Kirche einnehmen sollen, besonders beim Gebet in der heiligen Messe. Sollen sie stehen oder knien oder sitzen?

Für den Zelebranten bzw. den Kleriker gibt es Rubriken (rot geschriebene Ritusbeschreibungen in den liturgischen Büchern der Kirche), die vor allem für die Liturgie und das gemeinschaftliche Gebet gelten:

So steht man beispielsweise zu Beginn und Ende des Stundengebetes, während der Hymnen und Cantica, und auch sonntags und in der österlichen Zeit ist die stehende Gebetshaltung öfter vorgesehen als sonst.

Das knieende Gebet ist üblich z. B. bei den Tagesgebeten der Advents- und Fastenzeit und bei den Preces (den Gebeten, die der Allerheiligenlitanei folgen.

Und es gibt auch die sitzende Gebetshaltung: im gemeinsamen Chorgebet etwa beim Psalmgebet und bei den Lesungen und Zwischengesängen, in der Messe bei der Opferung.

Für die übrigen Gläubigen dagegen existieren keine derartigen strengen Vorschriften. Nebenbei bemerkt war zur Zeit des Alten Testamentes das Gebet äußerlich nicht an bestimmte Haltungs-Vorschriften gebunden, trotz gewisser Bräuche, wie die Ausbreitung der Hände, das Sichniederwerfen u.ä..

Auch heute existieren verschiedene Bräuche: so ist es unter anderem in unserem Lande üblich, in der Kirche meistens kniend als Ausdruck der Unterwerfung zu beten, und das vor allem während der heiligen Wandlung. In anderen Regionen betet man stehend, und drückt damit seinen Respekt aus – und auch die sitzende Gebetshaltung ist regional gebräuchlich.

Der Einzelne bleibt freilich frei, sich zu entscheiden, welche Haltung er einnimmt, doch ist dabei auf das Verhalten der Gemeinde in der Regel Rücksicht zu nehmen, und gegebenenfalls sich ihr anzupassen bzw. sich so zu verhalten, daß man andere nicht stört bzw. in der Sicht behindert.

„Typisch für das christliche Beten ist das Falten der Hände. Diese Geste soll verdeutlichen, daß sich der Beter nur auf Gott konzentriert und nicht mit anderen Dingen beschäftigt ist. Die aneinander gelegten offenen Handflächen entsprechen der Haltung bei der Huldigung des Lehnsherren im mittelalterlichen Feudalsystem und wird etwa seit dem 11. Jahrhundert praktiziert.

Das Gebet mit zusammengeballten Händen kam erst in der Reformation auf. Daneben gibt es noch seltenere, ältere Formen, wie das Kreuzen der Hände vor der Brust. Das Ausstrecken der Arme im Gebet stammt sogar aus dem vorchristlichen Mittelmeerraum und Orient, es geht auf die Körperhaltung der Bettler zurück. Das Beten mit erhobenen Händen wird häufiger von Christen der charismatischen Bewegung oder der Pfingstbewegung praktiziert und geht auf eine jüdische (z.B. Klagelieder 3,41) Gebetshaltung zurück.“ (Wikipedia, Gebet)

Die äußere Haltung, das Äußere allein ist zum gottwohlgefälligen Gebet nicht ausreichend – hat doch Christus selbst beispielsweise das rein äußere Hersagen von Gebetsworten verurteilt mit den Worten „Plappern wie die Heiden“.

Entscheidend ist die innere Haltung, die freilich sich in der äußeren ausdrücken will. Soll unser Gebet wirksam, fruchtbar sein, so verlangt es dem Inneren nach kindliche Ehrfurcht und Liebe, Demut, Vertrauen und Achtsamkeit, oder wenigstens das ernstliche Bemühen, achtsam zu sein.

So betete der Zöllner und fand Erhörung, während das Gebet des stolzen Pharisäers verworfen wurde. „Gott widersteht den Hoffärtigen. Den Demütigen gibt er seine Gnade“ (Jak. 4,6). Die echte Demut erzeugt Vertrauen, jenes Vertrauen, das nicht auf eigenes Verdienst, sondern auf die unendliche Weisheit und Güte Gottes und die Verdienste unseres Herrn sich gründet. Christus fordert uns in der hl. Schrift immer wieder auf, mit Vertrauen zu beten. Wir mißtrauen Gott und seinem Versprechen, wir unterschätzen die unendlichen Verdienste unsers Herrn, wenn das unbedingte Vertrauen beim Gebet fehlt. Freilich scheint Gott unseren Gebeten zuweilen taub zu sein, weil er will, daß unser Vertrauen beharrlich sei. Ein schönes Beispiel dafür ist uns gegeben mit der Kananiterin (Joh. 16, 26f), die unser Herr scheinbar abweist. Trotz aller Mißerfolge erwartet er von unserem ihm wollgefälligen Gebet, daß wir in demütigem Vertrauen ausharren.

Immer wieder kommen Gedanken, Zerstreuungen auf und verbleiben wie die Nachtfalter, die um die Lampe flattern. Sie sind kein Hindernis für das Gebet, wenn wir sie zurückzuweisen und zu vermindern suchen, denn durch diese unsere Anstrengung bleibt unsere Seele auf Gott gerichtet.

Zu dieser Fragestellung können auch die Vorschläge der Kongregation für den Gottesdienst zum Jahr der Eucharistie aus dem Jahre 2004 hilfreich sein: „… Die Körperhaltungen, die wir während der Eucharistiefeier einnehmen – Stehen, Sitzen, Knien -, verweisen auf die inneren Haltungen des Herzens. Die betende Gemeinde drückt sich in verschiedensten Formen aus.

Das Stehen ist Ausdruck der Freiheit der Söhne und Töchter, die uns der auferstandene Christus schenkt, der uns aus der Knechtschaft der Sünde befreit und wieder aufgerichtet hat.

Das Sitzen drückt die Aufnahmebereitschaft des Herzens Marias aus, die Jesus zu Füßen saß und sein Wort hörte; das Knien oder die tiefe Verbeugung drückt aus, dass wir uns klein machen vor dem Höchsten, vor dem Herrn (vgl. Phil 2,10).

Die Kniebeuge vor der Eucharistie, wie sie der Priester und die Gläubigen machen …, drückt den Glauben an die wirkliche Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus im Altarsakrament aus …

Wenn wir in den heiligen Zeichen hier auf Erden die Liturgie, die im Heiligtum des Himmels gefeiert wird, wiedergeben, tun wir es den Ältesten gleich: Sie „werfen sich […] vor dem, der auf dem Thron sitzt, nieder und beten ihn an, der in alle Ewigkeit lebt“ (Offb 4,10).

Wenn wir in der Eucharistiefeier den Gott-mit-uns-und-für-uns anbeten, muss sich diese Geisteshaltung auch in unserem Handeln und Denken fortsetzen und sichtbar werden. In der Sorge um die Angelegenheiten dieser Welt lauert immer die Gefahr, dass wir die Knie vor Götzen und nicht mehr vor Gott allein beugen.

Die Worte, mit denen Jesus auf die götzendienerischen Vorschläge des Teufels in der Wüste antwortet, müssen in unserem täglichen Reden, Denken und Handeln Widerhall finden : „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen“ (Mt 4,10).

Die Knie zu beugen vor der Eucharistie, in Anbetung des Lammes, das uns erlaubt, mit ihm das Paschamahl zu feiern, lehrt uns, uns nicht vor den Götzen niederzuwerfen, die von Menschenhand errichtet wurden, und es hilft uns, treu, ergeben und ehrfurchtsvoll dem zu gehorchen, den wir als den einzigen Herrn der Kirche und der Welt bekennen.“

(Kongregation für den Gottesdienst: Das Jahr der Eucharistie. Empfehlungen und Vorschläge, Nr. 29).

Das Rosenkranzgebet

von P. Andreas Lauer


RosenkranzAuf ein Gebet will ich hier aus aktuellem Anlaß eingehen: auf den Rosenkranz. Der selige Papst Johannes XXIII. hat den Rosenkranz zum allgemeinen Gebet erhoben: Die Priester haben als tägliche Aufgabe das hl. Opfer, das hl. Officium und den Rosenkranz, die Laien aber das hl. Opfer und den Rosenkranz. So beten wir also das ganze Jahr über den Rosenkranz, der Monat Oktober aber ist der Rosenkranzmonat, weil in ihm des Rosenkranzfest liegt.

Der Rosenkranz ist das einzige Gebet, das von der hl. Kirche mit einem eigenen Fest gefeiert wird, denn es ist von einer großen Bedeutung für die ganze Kirche, für die ganze Menschheit. Das Fest wurde eingesetzt zum Dank für den wunderbaren Sieg über die Türken am 7. Oktober 1571 bei Lepanto und auf die ganze Kirche ausgedehnt wiederum nach einem Sieg über die Türken im Jahre 1716. Der Sieg über die Feinde der Christenheit wurde damals nach der allgemeinen Überzeugung nicht so sehr durch die Tat der materiellen Waffen errungen, als vielmehr durch den hl. Rosenkranz.

Dieses Gebet ist nach der heiligen Messe das heiligste, das mächtigste, das gnadenbringenste Mittel, um all das Unheil von der Welt abzuwenden, das uns droht wegen der Sünden, und um eine wirkliche Erneuerung der Kirche zu erlangen. Es ist das Mittel, das Reich des Satans zu besiegen, wie es ja in den Siegen über die Feinde der Christenheit uns gezeigt wurde, denn Maria ist die Frau, die der Schlange den Kopf zertritt, die Frau, die die Kirche am Ende der Zeiten errettet vor dem blutroten Drachen, der die Kirche vernichten will.

Es kommt nun nicht darauf an, daß man fünfzigmal eine bestimmte Formel dahersagt, womöglich noch unter dem Druck: „wenn ich nur schon fertig wäre“, sondern darauf kommt es an: andächtig, betrachtend den Rosenkranz zu beten. Das betont auch die hl. Kirche, indem sie nur demjenigen einen vollkommenen Ablaß gewährt, der unter anderem betrachtend den Rosenkranz betet.

Das Herzstück des Rosenkranzes ist das Vaterunser, dieses Gebet, das dem gottmenschlichen Herzen unseres Heilandes entsprang und das sieben Bitten enthält. Diese sollen an uns und jedem Menschen in Erfüllung gehen – das wollen wir mit dem Rosenkranz in erster Linie erreichen und dazu stehen alle Gnaden bereit, unser Herr hat sie uns ja durch sein Wirken hier auf der Erde verdient. Diese Gnaden sollen und können wir in Anspruch nehmen, indem wir sein Leben, Leiden und Sterben in den verschiedenen Geheimnissen des Rosenkranzes betrachten.

Gott läßt uns den freien Willen – er zwingt niemand mit Gewalt, wir müssen die Gnade wollen, die Gnade in Besitz nehmen, zugreifen. Leider haben wir dazu nicht die nötige Disposition, nicht die nötige Liebe, nicht dieses bergeversetzende Vertrauen, das wir haben müßten. Deshalb gehen wir zu unserer lieben Frau und vereinigen uns mit ihr, mit ihrem Gebet. Sie ist voll der Gnade, kein Stäublein von Sünde trübt die Reinheit ihres Herzens, ihres Vertrauens und ihrer Liebe, mit ihr ist der Herr wie mit keinem anderem Geschöpf. Sie ist die aller Gnaden-Vermittlerin – deshalb: du heilige, du ganz heilige Maria, du Muttergottes, bitte du für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes!

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