In memoriam Papst Benedikt XVI.

(1927-2022)


Am 31. Dezember hat Papst Benedikt sein Leben in die Hände Gottes zurück gelegt. Es passt ins Bild, dass seine letzten hörbaren Worte gelautet haben: „Herr, ich liebe Dich!“ Seine erste Papstenzyklika trug den Titel: „Gott ist die Liebe!“ Papst Benedikt war nicht nur ein großer Gelehrter, sondern auch ein zutiefst geistlicher Mensch. In seinen Schriften und Predigten fällt immer wieder der Begriff: „Christus von innen her kennen!“ Dieses „von innen her“ geschieht bei ihm durch inneres Gebet, Betrachtung und geistliche Lesung.

Der unmittelbare Kontakt zu den Menschen fiel ihm schwerer als seinem Vorgänger und seinem Nachfolger. Von Natur aus eher schüchtern, suchte er nicht die große Bühne. Diese vornehme Zurückhaltung machte ihn aber auf der anderen Seite auch sympathisch. Als feinfühliger Mensch litt er unter ungerechten Angriffen. Ganz besonders traf ihn der infame Vorwurf, er habe als Erzbischof von München-Freising bewusst sexuelle Missbrauchstäter geschützt und Taten vertuscht. Das Gegenteil war der Fall. Als Präfekt der Glaubenskongregation hat er dafür gesorgt, dass hunderte Priester und etliche Bischöfe des Amtes enthoben und laisiert wurden. Als Papst hat er eine Null-Toleranz-Politik durchgesetzt und den schlimmen Skandal um den verbrecherischen Gründer der Legionäre Christi, Gabriel Maciel, aufgedeckt. Die kompromisslose Verteidigung der Glaubenswahrheiten musste er mit dem zweifelhaften Ruf, ein „Panzerkardinal“ zu sein, bezahlen. Doch bis auf einige völlig verblendete Theologen, haben selbst sehr erbitterte Gegner seine Brillanz als Theologe anerkannt. So wundert es nicht, dass erste Rufe laut werden, den „Mozart der Theologie“ (Guido Horst in der Tagespost v. 5. Januar) zum Kirchenlehrer zu ernennen. Ich bin überzeugt, dass dies auch eines Tages erfolgen wird.

Die Priesterbruderschaft St. Petrus hat ihm sehr viel zu verdanken. Ohne ihn wäre wohl kaum die Gründung unserer Gemeinschaft in den Wirren um die schismatischen Bischofsweihen von Écône 1988 möglich gewesen. Er war es, der vier unserer Priester, darunter unseren ersten Generaloberen Pater Bisig, wenige Tage später Anfang Juli 1988 empfing und die Gründung einer neuen Gemeinschaft nach Kräften unterstützte. In der aktuellen Februar-Ausgabe des Informationsblattes beschreibt unser Mitgründer und erster Generaloberer Pater Josef Bisig (1988-2000) treffend dessen entscheidende Rolle in den schwierigen Anfangsjahren der Petrusbruderschaft, in denen die zarte Pflanze unserer Gemeinschaft durch Angriffe von innen und außen einige Male zu ersticken drohte. Papst Benedikt XVI. verteidigte schon sehr früh als Professor und Kardinal die Texte des 2. Vatikanischen Konzils gegen eine modernistische Interpretation und Vereinnahmung. Er bestand darauf, dass sie im Lichte der früheren Konzilien und im „Lichte der Tradition“ gelesen und verstanden werden müssen. Dass sich die Extreme wie so oft berühren, sieht man gerade im Verständnis des Konzils. Sowohl die Modernisten, als auch Vertreter der Traditionalisten wie die Piusbruderschaft, sehen im Konzil einen Bruch und lehnen daher entweder die „vorkonziliare“ oder die „nachkonziliare“ Kirche ab. Gegen beide Richtungen wehrte sich in seinen Schriften und Predigten sehr überzeugend der verstorbene Papst. Es war auch sein großes Verdienst, die überlieferte Liturgie aus der Versenkung zu holen und diesen großen Schatz wieder der ganzen Kirche zugänglich zu machen. Erzbischof Gänswein hat inzwischen bestätigt, wie traurig den emeritieren Papst Benedikt das Motu Proprio „Traditionis Custodes“ von Papst Franziskus aus dem Jahr 2021 gemacht hat, als dieser die großzügige Freigabe der überlieferten Liturgie wieder drastisch eingeschränkt hat. Hoffen und beten wir, dass diese Maßnahme durch einen Nachfolger im Sinne von Papst Benedikt XVI. wieder rückgängig gemacht wird (Pater Gerstle).

Vorwort des Mai-Rundbriefs

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

am Ostersonntag beging Seine Heiligkeit Benedikt XVI. den neunzigsten Geburtstag. Wir gratulieren nachträglich im „Kölner Rundbrief“ von Herzen. Den Schmerz über seinen Rücktritt vom Petrusamt haben sicher viele von Ihnen noch nicht (ganz) überwunden – ich zähle mich dazu. Dennoch bleibt der Respekt für diese, persönliche Entscheidung des Papstes bestehen.

Es ist kein Geheimnis, daß Papst Benedikt den Heiligen Coelestin V. verehrt. Dieser war Papst von Juli bis Dezember 1294, ehe er von seinem Amt zurücktrat, als bis zum Rücktritt Benedikts, der einzige Nachfolger Petri in der Kirchengeschichte. Am 29. April 2009 legte Benedikt XVI. sein Pallium auf Coelestins Grabschrein in L’Aquila (Italien) nieder.

Am 4. Juli 2010 sagte der Heilige Vater Benedikt in Sulmona (Städtchen in den Abruzzen) folgende aufschlußreichen Worte:

Es geht … darum, in der Gegenwart Gottes zu verweilen, sich – in Herz und Verstand – die Worte des „Vaterunser“ zueigen zu machen, das alle Probleme unseres Lebens umspannt; es geht um die Anbetung der Eucharistie, darum, allein in unserem Zimmer das Evangekium zu meditieren oder andächtig an der Liturgie teilzunehmen. All das lenkt nicht vom Leben ab, sondern hilft uns vielmehr, in jedem Umfeld wir selbst zu sein, der Stimme Gottes treu, die zu unserem Gewissen spricht, frei von den Ablenkungen des Augenblicks! So war es für den hl. Coelestin V.: Er wußte, wie man seinem Gewissen folgen und Gott gehorsam sein kann; wie man also ohne Angst und mit großem Mut handeln kann. So hatte er auch in den schwierigen Momenten seines kurzen Pontifikats keine Furcht, seine Würde zu verlieren, sondern wußte, daß diese darin besteht, in der Wahrheit zu bleiben …

Aber war die Entscheidung des hl. Petro Coelestin für das Einsiedlerleben denn kein Einzelgängertum, keine Flucht vor der Verantwortung? Gewiß, diese Versuchung besteht. Aber in den von der Kirche approbierten Erfahrungen steht das einsame Leben des Gebets und der Buße stets im Dienst der Gemeinschaft, es ist offen für die anderen, es steht niemals im Gegensatz zu den Bedürfnissen der Gemeinschaft.

Und dann:

Doch es ist wichtig, auch ein zweites Element zu unterstreichen: Die Entdeckung des Herrn, die [Coelestin V.] macht, ist nicht Ergebnis eigener Anstrengung, sondern sie wird durch die Gnade Gottes ermöglicht, der ihm zukommt. Was er hatte, was er war, kam nicht aus ihm selbst: Es war ihm geschenkt worden, es war Gnade, und es war deshalb auch Verantwortung vor Gott und vor den anderen. Obwohl unser Leben ganz anders ist, gilt auch für uns dasselbe: Alles Wesentliche unseres Daseins ist uns ohne unser Zutun geschenkt worden. …

Schließlich ein letztes Element: Obwohl der hl. Petrus Coelestin ein Eremitendasein führte, war er nicht „in sich selbst verschlossen“, sondern ganz eingenommen von der Leidenschaft, die gute Nachricht des Evangeliums den Brüdern zu überbringen. Und das Geheimnis seiner seelsorglichen Fruchtbarkeit bestand gerade im „Bleiben“ beim Herrn, im Gebet …

Eine gnadenreiche Zeit im Monat Mai wünscht Ihnen, Ihr

Pater Andreas Fuisting


Datei – Rundbrief Mai 2017


Zum Thronfest des Hl. Apostels Petrus

– am 22. Februar
von P. Marc Brüllingen


Am 22. Februar feiert die Kirche das Thronfest des hl. Apostels Petrus. Petrus, der zusammen mit Paulus am 29. Juni als Hauptapostel verehrt wird, war der erste Papst, dem unser Heiland das oberste Hirtenamt zunächst verheißen hatte (vgl. Mt. 16,18f.: „Du bist Petrus der Fels, und auf diesen Felsen will Ich Meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und dir werde Ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.“) um ihn dann später, nach seiner Auferstehung in dieses oberste Amt feierlich einzusetzen (vgl. Jo. 21,15ff.: „In jener Zeit sprach Jesus zu Simon: ‚Simon, Sohn des Johannes, liebst du Mich mehr als diese? Er antwortete Ihm: ‚Ja, Herr, Du weißt, daß ich Dich liebe.‘ Da sprach Er zu ihm: ‚Weide Meine Lämmer!‘ Abermals fragte Er ihn: ‚Simon, Sohn des Johannes, liebst du Mich?‘ Jener erwiderte Ihm: ‚Ja, Herr, Du weißt, daß ich Dich liebe.‘ Er sagte zu ihm: ‚Weide Meine Lämmer!‘ Zum dritten Mal fragte Er ihn: ‚Simon, Sohn des Johannes, liebst du Mich?‘ Da wurde Petrus traurig, weil Er ihn zum dritten Mal fragte: Liebst du Mich? und entgegnete: ‚Herr, Du weißt alles; Du weißt auch, daß ich Dich liebe.‘ Da sprach Er zu ihm: ‚Weide Meine Schafe.'“

Zur Erinnerung an diese Einsetzung hat die Kirche daher das Thronfest des hl. Apostels Petrus eingeführt, das mancherorts auch „Stuhlfeier Petri“ oder „Kathedra Petri“ heißt. Kathedra (oder Cathedra), ist der Wortbedeutung nach ein Sessel oder Stuhl zum Sitzen, auch ein Lehrstuhl an einem erhöhten Orte, überhaupt ein Sitz für einen Ausgezeichneten oder Höheren.

Da der Erste in der kirchlichen Versammlung der Bischof war, gab man insbesondere seinem Sitze diesen Namen. Und zwar war derselbe im Priesterchore angebracht, das in Form einer Krone, als der Altar noch freistand, sich hinter demselben befand. Die Priester saßen auf niedrigen, der Bischof auf einem erhöhten Sitze an der Spitze des Priesterchores. Denn so heißt es im Ordo Romanus I.: „Der Oberpriester steht von seinem Sitze auf und steigt zum Altare hinab.“ Da er eben auf diesem Sitze als der mit der Hohenpriesterwürde und priesterlichen Vollgewalt Bekleidete und demnach so recht eigentlich in dem Amte erschien, welches der Name. „episcopus“, Aufseher, bedeutet, nannte man bald das bischöfliche Amt selbst Kathedra. Insbesondere aber gab man diesen Namen dem Amte des obersten Bischofs, dem die volle apostolische Macht und Würde verblieben und der sowohl für die Lehre als auch für die Gerichtsbarkeit zur lebendigen Mitte, zum Zentrum der Einheit gesetzt worden ist. Von „Kathedra“ kommt folglich auch der Ausdruck „ex cathedra sprechen“, das im eminenten Sinne gebraucht wird, und wobei jener Akt bezeichnet wird, durch welchen der oberste Bischof, falls es nicht möglich wäre, mit dem gesammelten Lehrkörper, dem Träger der Infallibilität, sich zu beraten, allein entscheidet, was in dem betreffenden Punkte zu glauben oder zu tun ist, und wobei er, was Christi Worte an Petrus deutlich genug bezeugen und was auch die Geschichte gelten lassen muß, unter der besonderen Obhut des göttlichen Geistes steht. Kathedra heißt schließlich auch der Tag, an welchem ein bischöflicher Sitz gegründet oder von Seiten eines Bischofs in Besitz genommen wurde, so wie der jährliche Gedächtnistag der Gründung oder des Antritts, den die Kirche festlich feierte. So feierte Jerusalem die Kathedra des hl. Apostels Jakobus schon in der ältesten Zeit; Antiochien und Rom die Kathedra des hl. Apostels Petrus.

Der hl. Papst Leo der Große selbst hielt Reden an diesem Tage zu Rom, und der Bibliothekar Anastasius in vita Hadriani I. beschreibt die Feier dieses Festes. Aber das Fest der Kathedra Petri, als des Fürsten der Apostel feierten sehr früh auch die anderen christlichen Gemeinden. Zu Ehren des hl. Petrus bringen die bereits von der gallikanischen Liturgie beeinflußten Herausgeber des Martyrologiums des Hieronymus die beiden Feste Petri Stuhlfeier am 18. Januar und am 22. Februar. In der Depositio martyrum erscheint dagegen nur am 22. Februar ein Fest der Cathedra Petri, das an eine bei den Römern an diesem Tage übliche Totenmahlfeier angeknüpft haben dürfte (Cathedra = Sesselmahl). Die kirchliche Ablehnung der Totenmahlfeiern im 4. Jahrhundert führte zur Umdeutung des Festes in einen um 500 wieder außer Übung gekommenen Gedächtnistag der Stuhlbesteigung Petri zu Rom (Cathedra = Lehrstuhl, Lehramt). Seit dem 6./7. Jahrhundert ist in Gallien ein meist am 18. Januar gefeiertes Fest zur Erinnerung an die Berufung Petri zum Schlüsselinhaber und Fundament der Kirche sicher nachweisbar, die Sonntage bis Quadragesima wurden sogar danach gezählt. Im Verlauf des fränkisch-römischen Liturgieaustauschs fand dieses Fest auch in Rom Aufnahme, allerdings unter dem traditionellen Datum (22. Februar). Aufgrund einer irrigen Deutung der beiden Daten erhielt das Fest des 22. Februar allmählich den Charakter einer Feier des antiochenischen Amtsantritts Petri (de Cathedra Antiochena). Papst Paul IV. bestimmte 1558 den 18. Januar als Gedächtnistag des römischen Amtsantritts Petri (de Cathedra Romana).

Für uns Gläubige soll das Fest der Thronbesteigung des hl. Apostels Petrus am 22. Februar eine besondere Bedeutung haben, ist es doch der Heiland selbst gewesen, der einem einfachen Fischer, den er dann zum Apostel heranbildete, mit diesem Amte des obersten Hirten hier auf Erden bekleidet hat. Deshalb sollen wir an diesem Tage für unseren Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. beten, der nun das oberste Hirtenamt als rechtmäßiger Nachfolger Petri innehat und daran denken, daß auch er keine leichte Bürde zu tragen hat, ist ihm doch die Christenheit auf der ganzen Erde anvertraut worden.