Vorwort zum Mai-Rundbrief

Liebe Gläubige,

für die diesjährige Pfingstwallfahrt von Paris nach Chartres haben sich so viele Teilnehmer gemeldet – über 20.000 – dass die französischen Organisatoren an ihre Grenzen stoßen und weitere Anmeldungen ablehnen müssen. Das zeigt, welch großer Beliebtheit sich diese Wallfahrt erfreut. Vergleichsweise bescheiden ist hinsichtlich der Teilnehmerzahlen bislang die Fußwallfahrt von Köln nach Kevelaer, die seit einigen Jahren im September stattfindet. Aber auch hier ist ein wachsendes Interesse spürbar. Viele bedeutende Dinge sind aus kleinen Anfängen heraus entstanden. Unser Herr und Heiland hat mit zwölf Aposteln begonnen und daraus ist allen Verfolgungen und Widerständen zum Trotz die große Weltkirche geworden. Pfingsten gilt als die Geburtsstunde der Kirche. Die Herabkunft des Heiligen Geistes hat alles verändert, hat aus verzagten Jüngern und Aposteln mutige Bekenner und opferbereite Märtyrer gemacht. Wir erleben in dieser Hinsicht in den letzten Jahrzehnten leider eine gegenteilige Entwicklung. Statt missionarischem Aufbruch herrscht Resignation und Mutlosigkeit. Kirchen werden geschlossen, profaniert oder sogar abgerissen. Immer mehr Gemeinden werden zusammengelegt, Messfeiern gestrichen. Man spricht schon von einer „bischöflich und priesterlich assistierten Sterbebegleitung“, so als ob der christliche Glaube kaum noch eine Zukunft hat und nur noch in kleinen Zirkeln überleben kann.

In einer Predigt am Pfingstfest 1984 klagte der Bischof von Fulda, Erzbischof Johannes Dyba (+2000): „Wenn man das Gesamtbild und den jetzigen Zustand der Kirche betrachtet, wird man doch dem Schluss kaum ausweichen können, dass am Ende dieses Prozesses (der Anpassung) weit mehr weltlicher Geist in die Kirche eingedrungen ist als Heiliger Geist in die Welt…So haben wir heute in der Kirche viele Pastoralreferenten, aber zu wenig Heilige. Viele Medienexperten, aber kaum noch Propheten, viele Theologen, aber wenig Priester, viel Engagement und finanzielle Opfer, aber wenig Gehorsam, viel Kritik, aber wenig Begeisterung. Einen riesigen kirchlichen Apparat, aber schrumpfendes kirchliches Leben.“

In den letzten Jahren gibt es gegen diesen offiziellen Trend jedoch eine interessante gegenteilige Entwicklung. In vielen Ländern Europas finden immer mehr, vor allem junge Leute zur Kirche, die nicht religiös aufgewachsen sind und die sich nun taufen lassen. Viele unter ihnen fühlen sich dabei besonders von traditionellen Frömmigkeitsformen, einschließlich der überlieferten lateinischen Liturgie angezogen. Ebenso legen sie Wert auf die traditionelle Lehre der Kirche. Das kommt inzwischen auch auf höchster kirchlicher Ebene an. Kardinal Woelki beispielsweise hat das schon länger erkannt und geht dabei mit gutem Beispiel voran. So freuen wir uns, dass dieses Jahr zum zweiten Mal nach Fronleichnam am 5. und 6. Juni ein eucharistischer Kongress in Köln stattfindet. Im vergangenen Jahr haben bereits über 1000 Gläubige daran teilgenommen. Dieses Jahr steht der Kongress unter dem Motto „Die Eucharistie als Quelle unserer Einheit.“ Interessenten können sich über die Webseite www.kommtundseht.com informieren.

Als gläubige Christen gibt es keinen berechtigten Grund zur Resignation. Wir haben allen Grund an die Gnade Gottes und an das Wirken des Heiligen Geistes zu glauben, der weht, wo er will und wann er will.

Ihnen allen ein glaubensfrohes Pfingstfest wünschend, grüßt Sie herzlich

Ihr Pater Bernhard Gerstle