Vorwort zum Rundbrief Juni / Juli 2026

Liebe Gläubige,

das Drama von 1988 mit den unerlaubten Bischofsweihen scheint sich in der Piusbruderschaft zu wiederholen. Sie hält offensichtlich an den angekündigten Weihen am 1. Juli diesen Jahres fest. Der Vatikan hat kürzlich durch den Glaubenspräfekten, Kardinal Fernandez, unmissverständlich deutlich gemacht, dass dieser Schritt als schismatisch zu bewerten ist. Er zieht nach dem geltenden Kirchenrecht „ipso facto“ (d.h. automatisch als Tatstrafe) die Exkommunikation der weihenden Bischöfe und der neu geweihten Bischöfe nach sich. Die Unterscheidung zwischen einem Bischof, der Jurisdiktion beansprucht und Weihbischöfen, die das nicht tun, gilt jedenfalls nicht, wie dies die Piusbruderschaft behauptet, um die Entscheidung zu rechtfertigen. Nicht von ungefähr wird auch einem Weihbischof ein stillgelegtes Bistum bei der Weihe anvertraut. Nur in Unterordnung und in Einheit mit dem Papst ist ein Bischof rechtmäßiger Vertreter der Kirche und übt er legitim seine Amtsgewalt aus. Ebenso üben auch die Priester, die ein illegitimer Bischof weiht, nicht rechtmäßig ihren Dienst aus und unterliegen automatisch der Kirchenstrafe der Suspension. Gläubige dürfen von solchen Priestern deshalb nur in besonderen Ausnahmefällen, z.B. in Todesgefahr, gültig und erlaubt die Sakramente empfangen. Wie im Jahr 1988 beruft sich die Piusbruderschaft ferner auf den Notstand in der Kirche infolge der Glaubenskrise. Diese ist auch nicht zu leugnen. Doch darf das niemand dazu veranlassen, eigenmächtig am Papst und der kirchlichen Hierarchie vorbei der Krise gegenzusteuern. So haben stets Kirchenspalter und Reformatoren argumentiert und gehandelt, aber nicht die Heiligen, die in der Kirche echte Reformen bewirkt haben.

Die Piusbruderschaft hat vor allem während des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. die große Chance vergeben, den Bruch mit Papst und Kirche zu heilen und mit Rom zu einer einvernehmlichen Lösung zu finden. Bei all dem großzügigen Entgegenkommen von Seiten des Vatikans seit 2007 mit der Aufhebung der Exkommunikation ihrer vier Bischöfe durch Papst Benedikt XVI., und der großzügigen Erlaubnis zur Feier der überlieferten lateinischen Liturgie, stellt sich die Frage, wie dieser neuerliche Bruch überhaupt noch einmal geheilt werden kann. Die Piusbruderschaft besteht auf einer Revision verschiedener Texte des 2. Vatikanischen Konzils. Doch dies ist nicht vorstellbar. Außerdem hat vor allem Papst Benedikt XVI. umstrittene Aussagen des Konzils im Lichte der kirchlichen Lehre und Tradition zurecht gerückt, so dass sich hier ein wirklicher Handlungsbedarf erübrigt. Somit bleibt nur noch, dass die Piusbruderschaft eines Tages anerkennt, sich über etliche Jahrzehnte geirrt zu haben. Dies wiederum wird die Mehrheit ihrer Mitglieder mit Sicherheit strikt ablehnen und als „Verrat an Erzbischof Lefebrve“ bewerten. Insofern muss man fürchten, dass der Zug für eine künftige Einigung und Wiedereingliederung in die volle Gemeinschaft der Kirche endgültig abgefahren ist. Ob das mit allen Konsequenzen den Priestern und Gläubigen der Piusbruderschaft bewusst ist?

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pater Bernhard Gerstle

Vorwort zum Mai-Rundbrief

Liebe Gläubige,

für die diesjährige Pfingstwallfahrt von Paris nach Chartres haben sich so viele Teilnehmer gemeldet – über 20.000 – dass die französischen Organisatoren an ihre Grenzen stoßen und weitere Anmeldungen ablehnen müssen. Das zeigt, welch großer Beliebtheit sich diese Wallfahrt erfreut. Vergleichsweise bescheiden ist hinsichtlich der Teilnehmerzahlen bislang die Fußwallfahrt von Köln nach Kevelaer, die seit einigen Jahren im September stattfindet. Aber auch hier ist ein wachsendes Interesse spürbar. Viele bedeutende Dinge sind aus kleinen Anfängen heraus entstanden. Unser Herr und Heiland hat mit zwölf Aposteln begonnen und daraus ist allen Verfolgungen und Widerständen zum Trotz die große Weltkirche geworden. Pfingsten gilt als die Geburtsstunde der Kirche. Die Herabkunft des Heiligen Geistes hat alles verändert, hat aus verzagten Jüngern und Aposteln mutige Bekenner und opferbereite Märtyrer gemacht. Wir erleben in dieser Hinsicht in den letzten Jahrzehnten leider eine gegenteilige Entwicklung. Statt missionarischem Aufbruch herrscht Resignation und Mutlosigkeit. Kirchen werden geschlossen, profaniert oder sogar abgerissen. Immer mehr Gemeinden werden zusammengelegt, Messfeiern gestrichen. Man spricht schon von einer „bischöflich und priesterlich assistierten Sterbebegleitung“, so als ob der christliche Glaube kaum noch eine Zukunft hat und nur noch in kleinen Zirkeln überleben kann.

In einer Predigt am Pfingstfest 1984 klagte der Bischof von Fulda, Erzbischof Johannes Dyba (+2000): „Wenn man das Gesamtbild und den jetzigen Zustand der Kirche betrachtet, wird man doch dem Schluss kaum ausweichen können, dass am Ende dieses Prozesses (der Anpassung) weit mehr weltlicher Geist in die Kirche eingedrungen ist als Heiliger Geist in die Welt…So haben wir heute in der Kirche viele Pastoralreferenten, aber zu wenig Heilige. Viele Medienexperten, aber kaum noch Propheten, viele Theologen, aber wenig Priester, viel Engagement und finanzielle Opfer, aber wenig Gehorsam, viel Kritik, aber wenig Begeisterung. Einen riesigen kirchlichen Apparat, aber schrumpfendes kirchliches Leben.“

In den letzten Jahren gibt es gegen diesen offiziellen Trend jedoch eine interessante gegenteilige Entwicklung. In vielen Ländern Europas finden immer mehr, vor allem junge Leute zur Kirche, die nicht religiös aufgewachsen sind und die sich nun taufen lassen. Viele unter ihnen fühlen sich dabei besonders von traditionellen Frömmigkeitsformen, einschließlich der überlieferten lateinischen Liturgie angezogen. Ebenso legen sie Wert auf die traditionelle Lehre der Kirche. Das kommt inzwischen auch auf höchster kirchlicher Ebene an. Kardinal Woelki beispielsweise hat das schon länger erkannt und geht dabei mit gutem Beispiel voran. So freuen wir uns, dass dieses Jahr zum zweiten Mal nach Fronleichnam am 5. und 6. Juni ein eucharistischer Kongress in Köln stattfindet. Im vergangenen Jahr haben bereits über 1000 Gläubige daran teilgenommen. Dieses Jahr steht der Kongress unter dem Motto „Die Eucharistie als Quelle unserer Einheit.“ Interessenten können sich über die Webseite www.kommtundseht.com informieren.

Als gläubige Christen gibt es keinen berechtigten Grund zur Resignation. Wir haben allen Grund an die Gnade Gottes und an das Wirken des Heiligen Geistes zu glauben, der weht, wo er will und wann er will.

Ihnen allen ein glaubensfrohes Pfingstfest wünschend, grüßt Sie herzlich

Ihr Pater Bernhard Gerstle

Vorwort zum April-Rundbrief

Liebe Gläubige,

die liturgische Feier des Todes und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus ist der Höhepunkt im Kirchenjahr. Wir feiern sozusagen „unsere Erlösung“. Denn wäre Christus nicht für uns gestorben, wäre der Himmel für uns verschlossen geblieben. Und wäre Christus nicht von den Toten auferstanden, dann hätten auch wir keine berechtigte Hoffnung auf ewiges Leben. So markiert die Auferstehung Jesu von den Toten, ebenso wie seine Menschwerdung den Wendepunkt in der Heilsgeschichte. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Er ist vielmehr der Durchgang zum eigentlichen, zum ewigen Leben. Vor uns als gläubige Christen liegt eine herrliche Zukunft. Jesu Verheißung an seine Jünger und Apostel gilt jedem von uns: „Ich gehe voraus, Euch eine Wohnung zu bereiten, damit auch Ihr seid, wo ich bin“ (Joh. 14,2)! Die Sehnsucht nach dem Himmel muss einhergehen mit der Sehnsucht nach dem Herrn. Je tiefer unsere Liebe zu Gott, umso stärker wird unsere Sehnsucht nach ihm. Diese Sehnsucht lässt sich messen in der Nähe, die wir zu ihm suchen, vor allem im Gebet, in der Mitfeier der heiligen Messe, sowie im würdigen Empfang der heiligen Kommunion. Das stille Gebet vor dem Tabernakel und die eucharistische Anbetung ist eine besonders intensive Weise, dem Herrn nahe zu sein. Der selige Carlo Acutis sagte einmal: „Wer sich der Sonne aussetzt, wird braun. Wer sich dem Allerheiligsten aussetzt, wird heilig!“

Eine besondere Freude wird uns auch in diesem Jahr in der heiligen Osternacht geschenkt. Vier Erwachsene werden in unserer Kölner Kirche Maria Hilf die heilige Taufe empfangen, ebenso die Firmung und Erstkommunion. Unter ihnen ist auch ein junger Mann, der im vergangenen Jahr aus Istanbul zum Studium nach Bonn gekommen ist. Im Alter von 15 Jahren hat er aus eigenem Antrieb begonnen sich über das Internet mit dem Christentum zu beschäftigen und die hl. Schrift zu lesen. In Deutschland hat er zunächst eine byzantinische Hl. Messe besucht und dann die zweite heilige Messe seines Lebens in unserer Kirche Maria Hilf mitgefeiert. Seitdem besucht er regelmäßig, auch an Werktagen bei uns die hl. Messe. Ich bin erstaunt, wie gute Glaubenskenntnisse er sich bereits in der Türkei angeeignet hatte. Wie wunderbar ist doch das Gnadenwirken Gottes! Bitte schließen Sie ihn und unsere weiteren Taufbewerber in Ihre Gebete ein!

Ihnen eine frohe und gnadenreiche Osterzeit wünschend, grüßt Sie in Vorfreude auf das Fest der Auferstehung unseres Herrn, ebenso von meinen Mitbrüdern

Ihr Pater Bernhard Gerstle

Vorwort zum Rundbrief Februar / März

© Vatican Media

Liebe Gläubige,

am 19. Januar, gewährte Papst Leo XIV. unserem Generaloberen, Pater John Berg und dem ersten Generaloberen und Gründer der Petrusbruderschaft, Pater Josef Bisig (seit über 20 Jahren Regens unseres amerikanischen Priesterseminars in Denton, USA), eine halbstündige Privataudienz. Es wird von einem Gespräch in herzlicher Atmosphäre berichtet. Es ist eine Fügung, dass Papst Leo XIV. aus Chicago stammt und Pater Berg von einem benachbarten amerikanischen Bundesstaat (Minnesota). Das Treffen diente vor allem dem Kennenlernen und dem Austausch von Informationen. Letztes Jahr wurde die Petrusbruderschaft vom Vatikan als Erste der traditionellen Gemeinschaften im Auftrag von Papst Franziskus visitiert. Wir warten noch auf den Bericht der Visitatoren, sind aber zuversichtlich, dass dieser positiv ausfallen wird. Unsere Hoffnung ist außerdem, dass Papst Leo XIV. wenigstens teilweise einschränkende Maßnahmen gegenüber dem Gebrauch der überlieferten Liturgie seines Vorgängers wieder zurück nehmen wird. Die Oberen der Petrusbruderschaft werden sicherlich dieses Anliegen bei der Erneuerung der Weihe unserer Bruderschaft an die Muttergottes am 11.Februar (Tag der ersten Erscheinung der Gottesmutter) mit nach Lourdes nehmen. Alle Priester und Gläubigen sind aufgerufen, sich auf diese Erneuerung der Weihe durch das tägliche Beten eines Gesätzes des Rosenkranzes und dem Gebet des Memorare des hl. Bernhard von Clairvaux vorzubereiten und die Weihe am 11. Februar mitzuvollziehen.

Es grüßt Sie im Gebet verbunden herzlich

Ihr Pater Gerstle

Fest Maria Lichtmess

von P. Francesco Serwe


Darstellung des Herrn – Äthiopische Malerei

Diesen Monat spielen 40 Tage gleich zweimal eine besondere Rolle. Am 2. Februar feiern wir Maria Lichtmess am vierzigsten Tag nach Weihnachten, dann beginnt in der zweiten Hälfte die Fastenzeit, welche auch 40 Tage dauert. Schon in der heiligen Schrift spielten 40 Tage als Zeit der Vorbereitung eine äußerst wichtige Rolle. Die Sintflut wurde durch einen 40tägigen Regen eingeleitet, Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, Moses war 40 Tage auf dem Berg um die 10 Gebote zu erhalten, 40 Tage nach der Auferstehung fuhr Jesus in den Himmel auf.

Das Fest Maria Lichtmess heißt eigentlich Darstellung des Herrn. Christus wird als der Erstgeborene Gott geweiht und Maria und Joseph bringen das Opfer zu ihrer Reinigung dar. In der Liturgie findet seit ältester Zeit auch eine Lichterprozession statt. Nach den prophetischen Worten des greisen Simeon im Tempel ist Jesus das „Licht zur Erleuchtung der Heiden“, die Kirche ist das neue Jerusalem. Wenn wir also mit den geweihten Kerzen in die Kirche einziehen, stellen wir in der Liturgie den ersten Einzug Jesu in Jerusalem dar, den wir also auch an Maria Lichtmess feiern. Ebenfalls findet hier eine Offenbarung Christi in kleinem Kreis statt, durch den greisen Simeon, der vom heiligen Geist erfasst wurde.

Unsere Liturgie hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt und die Kirche war immer darauf bedacht möglichst wenig dessen, was schon vorher da war, zu verändern. So soll es uns nicht wundern, dass gleichsam verschiedene Kreise ineinandergreifen. An sich endet die Weihnachtszeit mit dem Fest der Taufe des Herrn am 13. Januar, danach kommen „gewöhnliche“ Sonntage in grün und dieses Jahr zum Beispiel noch vor Maria Lichtmess beginnt schon die Vorfastenzeit. Dennoch gehört Maria Lichtmess gewissermaßen als Nachzügler noch zum Weihnachtsfestkreis.

Die Bräuche, die sich im gläubigen Volk erhalten, sind ein lebendiges Zeugnis dessen, da erst nach Maria Lichtmess Krippe und Weihnachtsbaum abgebaut werden.

Im Februar denken wir somit noch einmal an Weihnachten zurück, an die Ankunft des Erlösers in diese Welt und beginnen dann schon die Vorbereitung auf die größten Geheimnisse des Jahres, die Tage des Leidens, Sterbens und Auferstehens unseres Herrn.